5 Dinge, die man nach den Erdbeben wissen sollte

Eine Woche nach den stärksten Erdbeben in Venezuela seit mehr als einem Jahrhundert werden noch immer Opfer aus den Trümmern geborgen – das volle Ausmaß der Katastrophe ist noch nicht absehbar. Über lokale Partner an vorderster Front leistet CARE dringend benötigte Nothilfe in den am schwersten betroffenen Gebieten. Fünf Dinge, die man jetzt wissen muss:

1. Venezuela steckte schon vor den Beben in der Krise

Zwei aufeinanderfolgende Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 erschütterten am 24. Juni die Nordküste Venezuelas. Das zweite Beben war das stärkste in Venezuela seit mehr als 125 Jahren. Die wirtschaftlichen Schäden werden auf zwei bis zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts geschätzt.

Die Katastrophe trifft ein Land, das bereits von einer schweren humanitären Krise gezeichnet ist. Wirtschaftliche Not und politische Instabilität haben in den vergangenen Jahren Millionen Menschen zur Flucht gezwungen. Jede dritte Person lebt in Armut. Nun haben viele Familien ihre Lebensgrundlage verloren und verfügen kaum über die Mittel, um ihre Häuser und ihr Leben wieder aufzubauen.

Rettungskräfte und freiwillige Helfer stehen auf den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes nach einem Erdbeben in Venezuela und suchen nach Verschütteten; CARE und lokale Partner leisten Katastrophenhilfe. Rettungskräfte und freiwillige Helfer stehen auf den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes nach einem Erdbeben in Venezuela und suchen nach Verschütteten; CARE und lokale Partner leisten Katastrophenhilfe.

Nach den schweren Erdbeben in Venezuela werden immer noch Tausende Menschen vermisst. Die Bergungsarbeiten laufen auf Hochtouren. Foto: Maureen Riveros/Tinta Violeta/CARE

2. Viele Familien wissen noch immer nicht, wo ihre Angehörigen sind

Eine Woche nach den Beben bleibt die Lage extrem kritisch. Bis zum 1. Juli wurden über 2.200 Todesopfer verzeichnet, mehr als 11.000 Menschen wurden verletzt, Tausende bleiben vermisst. Die Zahlen dürften weiter steigen, während sich Rettungskräfte durch die Trümmer arbeiten.

Die lokale Infrastruktur ist weitgehend zusammengebrochen. Partner von CARE berichten, dass Stromausfälle und Störungen der Mobilfunknetze die Kommunikation massiv erschweren. Das ohnehin fragile Gesundheitssystem in den Küstengebieten ist kollabiert. Die dringendsten Bedarfe sind: sichere Unterkünfte, Nahrung, sauberes Wasser und Sanitärversorgung, medizinische Notfallversorgung, psychosoziale Unterstützung sowie Schutz für unbegleitete Kinder und sichere Räume für Frauen und Mädchen.

Die Lage in La Guaira ist noch viel dramatischer, als wir zunächst gedacht hatten. Alles ist zerstört. Es sieht nicht so aus, als hätte dort jemals eine Stadt gestanden“, berichtet Daniella Inojosa, Direktorin und Mitbegründerin von Tinta Violeta, einer lokalen Partnerorganisation von CARE.

CARE-Mitarbeiterin spricht in einem provisorischen Zelt mit einem Mädchen, das nach dem Erdbeben in Venezuela Schutz sucht. CARE-Mitarbeiterin spricht in einem provisorischen Zelt mit einem Mädchen, das nach dem Erdbeben in Venezuela Schutz sucht.

CARE und Partner in Venezuela bieten psychosoziale Unterstützung sowie Schutz für unbegleitete Kinder und sichere Räume für Frauen und Mädchen. Foto: Andrés Sarmiento/CARE

3. Frauen und Mädchen sind nach Katastrophen besonders gefährdet

Frauen und Mädchen sind von Katastrophen oft besonders stark betroffen und zusätzlichen Risiken ausgesetzt. Sie benötigen gezielte Unterstützung: etwa sichere Unterkünfte und Schutzräume, sogenannte Dignity Kits mit grundlegenden Hygieneartikeln wie Menstruationsprodukten, Seife und Unterwäsche, spezialisierte Gesundheitsversorgung sowie psychosoziale Betreuung. Die CARE-Partnerorganisation Tinta Violeta leistet diese Hilfe seit den ersten Stunden nach den Erdbeben. Allein in den ersten 72 Stunden wurden in Notunterkünften 22 Fälle sexueller Gewalt dokumentiert.

„Wenn Schutzstrukturen zusammenbrechen, Menschen in überfüllten Notunterkünften leben und grundlegende Versorgung fehlt, steigt insbesondere für Frauen und Mädchen das Risiko, Opfer von Gewalt, Ausbeutung und Missbrauch zu werden. Umso wichtiger ist es, die lebensrettende Hilfe für Familien in Venezuela jetzt rasch auszuweiten“, sagt Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von CARE Österreich.

4. CARE setzt auf lokale Partner, die die betroffenen Gemeinden kennen

In Venezuela arbeitet CARE eng abgestimmt mit einem Netzwerk lokaler Organisationen zusammen. Tinta Violeta hat Teams in La Guaira und Caracas im Einsatz: Sie leisten psychologische Erste Hilfe über Hotlines und direkt in Notunterkünften, betreuen Fälle von Gewalt gegen Frauen und Mädchen und verteilen Dignity Kits. Grupo Social CESAP – ein Netzwerk von 19 NGOs – hat eine Gemeinschaftsküche eingerichtet und versorgt vertriebene Familien mit warmen Mahlzeiten.

Unsere venezolanischen Partner haben schon in den ersten Stunden nach den Erdbeben mit der Hilfe begonnen – obwohl einige ihrer eigenen Mitarbeitenden und Freiwilligen selbst betroffen waren. Sie kennen diese Gemeinden und sind am besten dafür geeignet, die Hilfe zu leiten“, sagt Ana Maria Mendez, CARE-Regionaldirektorin für Lateinamerika und die Karibik.

Provisorische Notunterkunft in einem großen Zelt nach dem Erdbeben in Venezuela: zahlreiche Menschen liegen und sitzen auf Matratzen, CARE und Partner unterstützen mit lebenswichtiger Nothilfe. Provisorische Notunterkunft in einem großen Zelt nach dem Erdbeben in Venezuela: zahlreiche Menschen liegen und sitzen auf Matratzen, CARE und Partner unterstützen mit lebenswichtiger Nothilfe.

Viele Familien in Venezuela verloren ihr Zuhause und sind derzeit in Notunterkünften untergebracht. Foto: Andrés Sarmiento/CARE

5. Mehr Hilfe wird dringend gebraucht

Das Ausmaß der Zerstörung, der menschlichen Verluste und der Traumata ist absolut herzzerreißend. Die Such- und Rettungsmaßnahmen dauern noch an. Wir gehen weiterhin davon aus, dass der humanitäre Bedarf steigen wird“, sagt Mendez.

Schon vor dem 24. Juni war die humanitäre Lage in Venezuela angespannt: 7,9 Millionen Menschen – fast 28 Prozent der Bevölkerung – benötigen Unterstützung. Doch der UN-Hilfsplan für Venezuela ist aktuell nur zu 26,3 Prozent finanziert (Stand: 2. Juli). Die Schäden durch das Erdbeben werden die ohnehin angeschlagene Wirtschaft Venezuelas schwer treffen. Damit sich die Not der Menschen nicht weiter verschärft, braucht es jetzt ausreichend finanzierte, langfristige Hilfsmaßnahmen, die gemeinsam mit den Menschen vor Ort umgesetzt werden.

 

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