Rückkehr in Trümmer

Nach 14 Jahren Konflikt wurden über zwölf Millionen Syrer:innen gewaltsam vertrieben. Mit dem Regimewechsel im Dezember 2024 kehrten mehr als eine Million Geflüchtete und fast zwei Millionen Binnenvertriebene in ihre Gemeinden zurück. Sie alle versuchen, ihr Leben in einem vom Krieg gezeichneten Land wieder aufzubauen. Doch das ist alles andere als einfach: Ganze Stadtteile liegen in Trümmern, die Infrastruktur ist zerstört, die Lebenshaltungskosten sind explodiert. Viele Familien können sich nicht einmal ihre nächste Mahlzeit, Strom oder Brennstoff zum Heizen im Winter leisten.

Der 54-jährige Hammoud lebt seit 2011 als Vertriebener in einem Camp. Er hat nichts mehr, wohin er zurückkehren könnte. „Eine Woche nach dem Fall des Regimes im Dezember letzten Jahres habe ich mein Haus in Homs besucht, um zu sehen, was noch übrig ist. Meine gesamte Nachbarschaft ist zerstört. Ich konnte nicht einmal den Ort finden, an dem mein Haus einmal stand. Wir haben unser ganzes Leben dort verbracht, jetzt ist alles weg“, sagt er.

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Hammoud lebt seit mehr als zehn Jahren in einem Zelt: „Wenn ich genug Geld hätte, würde ich mein Haus wieder aufbauen, aber wir haben alles verloren.“ Foto: Sarah Easter/CARE

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Um es im kommenden Winter warm zu haben, sammelt Hammoud Brennholz aus der Gegend. Foto: Sarah Easter/CARE

Hammoud kann sich den Wiederaufbau seines Hauses nicht leisten, da er schon Mühe hat seine Familie zu ernähren. Dafür hat er bereits hohe Schulden aufgenommen. In einem Projekt von CARE, das von der Europäischen Union finanziert wird, erhielt Hammoud Bargeldhilfe. Damit kann er sich das Nötigste kaufen, um seine Familie durch den Winter zu bringen.

Auch wenn der Konflikt vorbei ist, ist das Leben für viele Syrer:innen immer noch nicht sicher. Landminen und nicht explodierte Kampfmittel fordern weiterhin Menschenleben. Diese Gefahr kennt auch die 16-jährige Zalloukh, die zwölf Jahre in einem Camp aufwuchs. Vor vier Monaten kehrte sie in ihre Heimatstadt zurück. „Ich habe ständig Angst und fühle mich hier nie sicher. Es gibt so viele Sprengstoffe, Landminen und Tunnel. Die Gebäude sind instabil. Was ist, wenn ich auf dem Weg zur Schule auf etwas trete? Was ist, wenn der Krieg wieder ausbricht?“

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„Ich wünsche mir, eines Tages in einem Haus zu leben, das nicht kaputt ist, mit einem Garten“, sagt Zalloukh. Foto: Sarah Easter/CARE

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Seit ihrer Rückkehr geht Zalloukh wieder zur Schule. Doch das Lernen fällt ihr ohne ein eigenes Zimmer schwer. Foto: Sarah Easter/CARE

Zalloukh lebt jetzt im Haus ihres Großvaters, das schwer beschädigt ist. Die Fenster und Türen sind kaputt, bisher wurde nur ein Raum repariert, in dem die ganze Familie lebt. Regelmäßiger Zugang zu Strom, Wasser oder Heizung fehlt. Zalloukh träumt davon, Anwältin zu werden, macht sich aber große Sorgen um ihre Zukunft: „Wie soll ich in der Schule gut sein, wenn ich mit meinen vier Geschwistern auf dem Boden unseres einzigen Zimmers in der Kälte lernen muss? Wie soll ich meinen Traum, Anwältin zu werden, verwirklichen, wenn ich jeden Tag Angst habe, hier zu leben?“

Wenn es um die Schule geht, stehen auch die Kinder von CARE-Helfer Khalil vor Herausforderungen. Khalil lebte und arbeitete viele Jahre in der Türkei, bevor er sich vor drei Monaten entschloss, mit seiner Familie nach Aleppo in Syrien zurückzukehren. Da seine Kinder fast ihr ganzes Leben in der Türkei verbracht hatten, mussten sie erst Standardarabisch lesen und schreiben lernen, um die Schule in Syrien besuchen zu können.

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Khalil ist froh, wieder in Syrien zu sein – trotz der Herausforderungen. Er möchte beim Wiederaufbau seiner Heimat helfen. Foto: Sarah Easter/CARE

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In Aleppo gibt es nur wenige Stunden pro Tag Strom, Wasser fließt nur alle vier Tage. Deshalb hat Khalil auf seinem Dach eine Solaranlage und einen Wassertank installiert. Foto: Sarah Easter/CARE

Es fällt ihnen schwer, sich anzupassen, da sie auch alle ihre Freunde zurücklassen mussten und das Leben hier völlig anders ist. In der Türkei hatten sie zu jeder Tageszeit Zugang zu allem, was sie brauchen. Hier sage ich ihnen, sie sollen ihren Wasserverbrauch reduzieren und das Licht nur einschalten, wenn es notwendig ist.“ Trotz der Herausforderungen ist Khalil froh, dass er wieder nach Syrien zurückgekehrt ist. „Hier ist unsere Heimat. Ich möchte die Syrer:innen beim Wiederaufbau unseres Heimatlandes unterstützen.“

Auch die 72-jährige Mufieda ist vor sechs Monaten aus der Türkei zurückgekehrt. In der Stadt, in der sie jetzt lebt, war Wasser bis vor kurzem nur über teure Lieferungen verfügbar. Mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union sanierten CARE und sein Partner IYD ein Bohrloch und eine Wasserpumpe. Jetzt haben 24.000 Menschen Zugang zu Wasser, darunter auch Mufieda. Alle vier Tage kann sie den Wasserhahn für frisches Trinkwasser aufdrehen.

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„Ich möchte nicht mehr in den Häusern anderer Leute oder in Camps leben“, sagt Mufieda. Sie ist vor sechs Monaten aus der Türkei zurückgekehrt. Foto: Sarah Easter/CARE

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CARE und IYD haben in Mufiedas Stadt die Versorgung von 24.000 Menschen mit Trinkwasser sichergestellt. Foto: Sarah Easter/CARE

„Ich wusste, dass ich mit diesen Herausforderungen konfrontiert werden würde, als ich die Türkei verließ und hierher zurückkehrte. Aber ich bin 72 Jahre alt, und das ist mein Haus. Ich habe Glück, dass es noch steht, obwohl alles gestohlen wurde – sogar die Wasserhähne im Badezimmer, die Türen und die Fensterrahmen. Ich möchte nicht mehr in den Häusern anderer Leute oder in Camps leben. Auch ohne jegliche Versorgung oder Infrastruktur gehöre ich hierher.

Die Lage ist für viele Familien in Syrien immer noch schwierig und der humanitäre Bedarf enorm. CARE ist seit mehr als einem Jahrzehnt gemeinsam mit Partnerorganisationen vor Ort im Einsatz – seit 2016 mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union. CARE verbessert die Versorgung mit sauberem Wasser sowie Sanitäranlagen und stärkt die wirtschaftliche Selbstständigkeit von Familien in Syrien. Frauen und Mädchen, die von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen oder bedroht sind, erhalten Schutz und Unterstützung.

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