„Meine wichtigste Aufgabe in meinem Haushalt ist es, für meine Familie zu kochen“, erzählt Birke Zigyalew. „Doch bevor ich kochen kann, muss ich Wasser holen.“ Also stand die Mutter von fünf Kindern früher um 5 Uhr morgens auf und ging in die Berge. Dort gab es nur kleine, ungeschützte Quellen. Der Weg führte über steiles, felsiges Gelände und dauerte Stunden. Weil Frauen entlang des Weges häufig belästigt wurden, ging Birke selten allein und nahm ihre älteren Kinder mit.
An den Quellen warteten bereits viele andere Frauen. Das Wasser war knapp und die Warteschlangen lang. Meist kam Birke erst gegen 9 Uhr nach Hause zurück. Ihre jüngsten Kinder hatten dann oft stundenlang auf ihr Frühstück gewartet. „Als Mutter war das sehr schmerzhaft für mich“, sagt Birke.
Birke lebt mit ihren Kindern in Medabay in der Region Amhara, am Rande des Simien-Nationalparks in Äthiopien. Das Gebiet ist Teil eines einzigartigen, aber gefährdeten Ökosystem, von dessen natürlichen Ressourcen viele Gemeinden in der Umgebung abhängig sind.
Gemeinsam für den Zugang zu Wasser
Neben der Versorgung ihrer Kinder kümmert sich Birke um den Haushalt und einige Nutztiere. Eines ihrer Kinder braucht aufgrund einer intellektuellen Beeinträchtigung besonders viel Unterstützung. Doch lange bestimmte vor allem eine Aufgabe ihren Alltag: Wasser für die Familie zu holen.
Für alles andere blieb tagsüber kaum Zeit. Kochen, Putzen und die Versorgung der Tiere erledigte Birke oft erst am Abend oder in der Nacht. Dazu kamen die Sorgen um die Gesundheit ihrer Kinder. Das Wasser aus den offenen Quellen war verunreinigt und führte immer wieder zu Magen-Darm-Erkrankungen.
Das änderte sich mit dem Projekt RELIVES. Es baut auf einem erfolgreichen Vorgängerprojekt von CARE auf und wird von der Austrian Development Agency im Rahmen von International Partnerships Austria finanziert sowie von CARE Äthiopien gemeinsam mit ORDA Äthiopien umgesetzt. Das Projekt unterstützt die Gemeinden in der Region dabei, ihre Lebensgrundlagen zu sichern und die Natur langfristig zu schützen.
Jahrelang hatte die Gemeinschaft die lokalen Behörden um eine Wasserversorgung gebeten – ohne Erfolg. Als das RELIVES-Projekt in benachbarten Gemeinden Wasserstellen errichtete, wurde auch Birkes Dorf aktiv. „Wir haben uns dafür eingesetzt, dass wir auch Unterstützung bekommen“, sagt Birke. Mit Erfolg: Vor einem Jahr wurde die neue Wasserversorgung in Medabay fertiggestellt.
Heute ist das Wasser nur noch wenige Minuten entfernt. Die gewonnene Zeit kann Birke nun für ihre Familie, den Haushalt und andere Aufgaben nutzen. „Jetzt trinken wir sauberes und sicheres Wasser“, sagt Birke. „Meine Kinder sind gesund. Seit diese Wasserversorgung gebaut wurde, haben sie keine Blähungen oder Bauchkrämpfe mehr. Wir können Kleidung waschen. Ich bade meine Kinder, wann immer es nötig ist.“
Die Wasserstelle eröffnet ihr auch neue Möglichkeiten: Birke hat einen kleinen Gemüsegarten angelegt und baut Grünkohl für ihre Familie an.
Nachhaltige Verantwortung
Damit die Wasserversorgung langfristig erhalten bleibt, kümmert sich die Gemeinde selbst darum. Sie hat das Gelände eingezäunt, eine Person für die Bewachung angestellt und ein Komitee für die Verwaltung gegründet. Die Hälfte seiner Mitglieder sind Frauen. Jeder Haushalt zahlt monatlich 15 Birr: 10 Birr für die Bewachung, 5 Birr für Wartung und mögliche Reparaturen. „Das Projekt hat sie zu unserem Eigentum gemacht“, erklärt Birke.
Für Birke bedeutet die Wasserstelle weit mehr als eine praktische Erleichterung. Sie schafft Zeit, Sicherheit und Gesundheit für ihre Familie. „Diese Wasserversorgung hat die Frauen in unserer Gemeinschaft sehr entlastet“, sagt Birke.
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