„Erinnert euch, wie ich war“

„Wisst ihr noch, wie ich früher war?“, fragt Théogène Habimana, wenn er in seinem Heimatort Karenge in Ruanda in einem CARE-Projekt Männer berät. Und dann erzählt er ihnen genau, wie er lange Zeit gelebt hatte.

Damals hatte Théogène jeden Tag Streit mit seiner Frau. Er verbrachte die Abende in einer Bar, kam spät zurück und hatte das ganze Geld ausgegeben. Sein Zuhause mit seiner Frau Valentine Manirageya und den sechs Kindern war eine Hütte mit Wänden aus Wellblech. Die Kinder hatten Angst vor ihrem Vater, wenn er betrunken heimkam.

Es gab keine Planung, kein Sparen, kein gemeinsames Gespräch über die Zukunft. Théogène verdiente Geld mit Landwirtschaft und Handel, doch es glitt ihm durch die Finger. Valentine hatte auch einen kleinen Laden, konnte damit aber nicht die Familie versorgen. „Ich kam an einen Punkt, an dem ich dieses Leben nicht mehr führen wollte. Ich begann, eine Scheidung zu planen“, erzählt Valentine.

Ein Programm mit einem neuen Ansatz

Dann kam das Projekt GEAR nach Karenge. Umgesetzt wird es von CARE Ruanda gemeinsam mit den Partnerorganisationen Benishyaka und Pro Femmes Twese Hamwe. GEAR wird von der Austrian Development Agency im Rahmen von International Partnerships Austria gefördert.

Théogène war misstrauisch, als er zu einer Schulung namens „Journey of Transformation“ eingeladen wurde. Er dachte, man wolle ihn verhaften. Nur weil Valentine ihn drängte, ging er schließlich hin.

In 22 Sitzungen ging es um Macht, Entscheidungen oder Konflikte im Haushalt. „Bei jeder Lektion hatte ich das Gefühl, sie sprechen über mein eigenes Leben“, sagt Théogène. Danach sprach er zum ersten Mal seit Jahren ehrlich mit Valentine. Er trank weniger, kaufte Dinge fürs Haus. Sie hielten Familientreffen ab, legten ihr Einkommen zusammen.

Aus der Wellblechhütte wurde Stück für Stück ein größeres Gebäude. Heute ist es so groß, dass ein Teil vermietet wird. „Das Projekt hat uns kein Geld gegeben“, sagt Théogène. „Es hat uns Lektionen gegeben. Die Lektionen haben uns aufgebaut.“

Vom Streithahn zum Vorbild

Heute ist Théogène einer von 315 geschulten „Change Champions“ in der Region. Er spricht mit Männern und erzählt einfach seine Geschichte. „Ich sage ihnen: Hört nicht nur zu, was ich sage. Beurteilt mich danach, was ihr seht“, berichtet er. „Erinnert euch, wie ich früher war.“ Manche hören ihm zu, manche widersprechen. Manche kommen später wieder und sagen, sie hätten aufgehört – mit dem Trinken, dem Streiten, dem Schweigen in ihren Beziehungen.

Valentine plant inzwischen, ihr Geschäft auszubauen. Die Schulgebühren der Kinder werden pünktlich bezahlt. „Das fühlte sich einmal unerreichbar an“, sagt sie. „Jetzt ist es einfach unser Leben.“

Eine Frau und ein Mann bei traditioneller Lebensmittelverarbeitung in einfacher Lehmhütte mit handwerklichen Werkzeugen. Eine Frau und ein Mann bei traditioneller Lebensmittelverarbeitung in einfacher Lehmhütte mit handwerklichen Werkzeugen.

Théogène mit seiner Frau Valentine. Foto: CARE

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