Hilfe in der Ukraine

Ein gemütlicher Raum hallt wider vom Kinderlachen. Kinder jeden Alters finden hier Geborgenheit in einem ehemaligen Sanatorium. Es ist ihr neues Zuhause in der Ukraine, nachdem sie aus ihren Heimatorten vor dem Krieg geflohen sind.

Maria* (33) beobachtet ihren zweijährigen Sohn Dmytro* (Namen geändert), wie er in der Ecke sorgfältig Spielzeug sortiert. Er ist das jüngste Kind hier – und das einzige, das 2023 in dieser Notunterkunft zur Welt kam. Dmytro wurde mit beidseitigem grauen Star geboren. Er orientiert sich an leuchtenden Farben. Zudem kämpft er mit einer fortschreitenden Epilepsie und benötigt kontinuierliche Betreuung.

„Ich war plötzlich allein mit einem Kind, das rund um die Uhr Pflege und Behandlung braucht“, berichtet Maria. „Es ist schwer, keine Unterstützung in der Nähe zu haben, schwer nicht zu wissen, ob unser Haus in Torezk den Beschuss übersteht.“ Doch am stärksten belastet Maria die Ungewissheit, die ihren Sohn betrifft. Sie fragt sich, wie sie ihm helfen kann. Und sie fragt sich immer wieder, wann der Krieg endet.

Marias Mann ist durch seine Arbeit meist nicht da. Anfangs fühlte sie sich unerträglich einsam. Der tägliche Stress, die Isolation und die ständige Angst zehrten an ihr. Kleinigkeiten brachten sie leicht zum Weinen oder machten sie wütend. Schlaflose Nächte ließen sie erschöpft zurück.

„Ein sicherer Hafen“ 

Im Frühjahr kam ein mobiles Team der NGO Avalyst – unterstützt von CARE und der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit – in die Notunterkunft. Psychosozial geschulte Mitarbeiter:innen boten Stressreduktion, Atem- und Entspannungsübungen sowie Methoden zur Selbstreflexion an. Die wöchentlichen Gruppentreffen wurden für Maria zu einem „sicheren Hafen“ im Chaos. Die Teilnehmerinnen teilten Sorgen, gaben einander Rückhalt und fanden Gemeinschaft.

Maria in einer der wöchentlichen Gruppensitzungen. Foto: CARE

„Durch die Gespräche mit einer Psychologin lernte ich, mich so anzunehmen wie ich bin – und meinen Sohn als pflegebedürftig, aber als genauso wertvoll und einzigartig zu sehen“, berichtet Maria. „Ich kann mich jetzt nach seinem Tempo richten, den Druck der ‚Norm‘ loslassen und das ständige Schuldgefühl überwinden.“ Maria entdeckte für sich, dass kleine Freuden wie Sonnenlicht am Morgen, das Lachen ihres Kindes oder eine Tasse Tee für sie große Freuden sind.

Jede Sitzung eröffnete ihr Wege zur Selbstfürsorge und psychologischer Erste Hilfe. Das Team von Avalyst unterstützte sie auch beim Zugang zu sozialen und rechtlichen Angeboten – z.B. dabei, Anträge zu schreiben oder Rehabilitationsmaßnahmen für Dmytro zu beanspruchen. „Ich bete dafür, dass mein Sohn gesund wird, dass sich seine Augen verbessern und er die Welt einmal nicht nur in bunten Flecken, sondern richtig sehen kann“, sagt Maria.

Notunterkünfte sind jedoch nach wie vor nicht auf Kinder mit Seh- oder Mobilitätseinschränkungen ausgelegt. Es fehlt an Spezialausstattung und therapieunterstützenden Räumen. Es braucht Investitionen, gezielte Maßnahmen und Koordination, um Notunterkünfte inklusiv und bedarfsgerecht für Menschen mit Behinderung zu gestalten. Trotzdem glaubt Maria fest an eine bessere Zukunft – und weiß nun, wie sie sich selbst unterstützen kann, wenn Zweifel und Verzweiflung zurückkommen.

Die Hilfe in der Notunterkunft wurde ermöglicht durch das Projekt „Förderung von Resilienz und Schutz durch umfassende Unterstützung für gefährdete Bevölkerungsgruppen in der Ostukraine“. Dieses Projekt wird durch die Austrian Development Agency (ADA) aus Mitteln des Auslandskatastrophenfonds gefördert. Lesen Sie hier mehr. 

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