Hungersnot in Gaza

Die 27-jährige Noura wartet in der Schlange vor dem CARE-Gesundheitszentrum in Deir Al-Balah, um ihr elf Monate altes Kleinkind auf Mangelernährung untersuchen zu lassen. Der Bub hat bereits einige Entwicklungsschritte wie Krabbeln und Zahnen verpasst. „Mein Sohn sollte eigentlich Babynahrung trinken, aber es gibt keine. Ich gebe ihm eine leere Flasche nur zur Ablenkung“, sagt Noura. „Ich kann ihn kaum stillen, meine Milch ist fast versiegt, weil ich selbst nicht genug esse.“

Jeden Morgen macht sich Noura zu Fuß auf den Weg, um günstiges Mehl zu finden, damit sie Brot für die Kinder backen kann. Bis sie wieder nach Hause zurückkehrt, ist die Frühstückszeit längst vorbei. Sie beginnt dann mit der Zubereitung der ersten Mahlzeit des Tages. Es gibt Hülsenfrüchte, Erbsen oder Reis, doch von allem viel zu wenig, um satt zu werden. Gelegentlich kauft sie ein oder zwei Tomaten, wenn die Preise sinken, um der Ernährung ihrer Kinder einige Nährstoffe hinzuzufügen.

„Es gibt keine Nahrung, uns geht es wie allen anderen: Wenn es Essen gibt, kaufen wir es, aber es gibt kaum etwas“, sagt Noura. „Wir bekommen keine Eier oder Milch, Gemüse ist sehr teuer, und es gibt kaum mehr Konserven zu kaufen.“ Im Krieg ist der Hunger ein ständiger Begleiter geworden. Die Kinder zu versorgen, wird von Tag zu Tag schwieriger.

„Ich vermisse alles, was wir früher hatten: Milch für die Kinder, Eier, Protein aus Fleisch und andere nahrhafte Lebensmittel, die Kinder für gesundes Wachstum brauchen. Auch Obst wäre wirklich wichtig“, sagt Noura. „Milchnahrung für Babys ist sehr teuer geworden. Wir können den Kindern keine Eier mehr geben – ein Ei kostet heute 20 Schekel (rund 5,90 Euro). Für wen soll ich ein Ei für 20 Schekel kaufen? Für das elf Monate alte Baby, das Nahrung zum Wachsen braucht? Oder für meine anderen Kinder, die früher Eier gegessen haben, aber jetzt vergessen haben, wie Eier, Bananen oder Wassermelonen schmecken? Sie fragen mich jetzt: Was ist eine Wassermelone, Mama?“

Die meisten Familien in Gaza können sich nicht einmal einen kleinen Sack Mehl leisten, um Brot für ihre hungrigen Kinder zu backen. „Eine durchschnittliche Familie mit acht Mitgliedern bräuchte mindestens zwei Säcke Mehl, um nur mit Brot zu überleben“, sagt CARE-Nothelferin Jolien Veldwijk. Der Krieg dauert nun schon fast zwei Jahre an. Die meisten Menschen haben ihre Häuser und ihre Lebensgrundlagen verloren. Selbst den Grundbedarf an Nahrung für ihre Familien zu sichern, ist nun nahezu unmöglich geworden. 

Seit Anfang 2025 wurden im CARE-Gesundheitszentrum in Deir Al-Balah rund 5.500 Kinder und mehr als 2.800 schwangere und stillende Frauen untersucht. Elf Prozent der Kinder und mehr als ein Drittel der untersuchten Frauen litten entweder an mäßiger oder schwerer akuter Mangelernährung. Mit der Hilfe von UN-Partnern stellt CARE mehr als 170.000 verzehrfertige therapeutische und ergänzende Nahrungsmittel für sie bereit.

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Den meisten Kindern fehlt es an Nährstoffen, die sie für ihr Wachstum und ihre Gesundheit brauchen. Foto: Ahmed Younis/CARE

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Es gibt kein Obst mehr. "Die Kinder fragen mich, was eine Wassermelone ist", sagt eine Mutter. Foto: Ahmed Younis/CARE

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Babynahrung gibt es kaum mehr oder sie ist unerschwinglich teuer. Diese Mutter hat im CARE-Gesundheitszentrum Aufbaunahrung für ihr Kind erhalten. Foto: Ahmed Younis/CARE

„Wenn der Krieg weitergeht, sollten sie wenigstens die Grenzübergänge öffnen, damit Nahrungsmittel durchkommen können: Nahrung für die Kinder. Unsere Kinder bekommen keine Vitamine aus Obst oder Gemüse und überleben mit nur ein oder zwei Mahlzeiten aus Hülsenfrüchten oder Brot pro Tag“, sagt eine Mutter im CARE-Gesundheitszentrum.

Die Lage ist verzweifelt. „Unsere Kinder stehen bei Suppenküchen an, manchmal laufen sie weite Strecken, um eine zu finden, die Essen ausgibt“, beschreibt eine Mutter. „Sie warten stundenlang in der Sonne in Schlangen voller anderer hungriger Kinder. Oft kommen sie mit leeren Töpfen nach Hause. Mein Sohn hat schwere Verbrennungen erlitten, weil heißes Essen auf ihn verschüttet wurde, während er versuchte, unseren Topf zu füllen.“

Die Hilfe im CARE-Gesundheitszentrum ist für die Mütter und ihre Kinder überlebenswichtig. „Wir sind in die Klinik gekommen, um Nahrungsergänzungsmittel für die Kinder zu erhalten. Alle kommen hierher, weil es sonst keine Nahrung gibt.“

CARE Österreich verurteilt zutiefst den brutalen Terrorangriff auf Israel vom 7. Oktober sowie jegliche Gewalt gegen Zivilbevölkerungen. CARE fordert die sofortige Einstellung der Kampfhandlungen und die Einhaltung des humanitären Völkerrechts durch die Konfliktparteien, den ungehinderten Zugang von humanitärer Hilfe und die Freilassung aller Geiseln. Die Arbeit von CARE orientiert sich ausschließlich am humanitären Mandat und den Menschenrechten.

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