Kampf ums Überleben

„Die Wasserstelle im Dschungel ist unsere einzige Quelle“, sagt Esther (40), während sie einen leeren gelben Kanister durch hohe Bäume über einen Feldweg trägt und über dicke Wurzeln klettert. Am Fuße des Hügels befindet sich ein kleines Wasserbecken mit gelblich-trübem Wasser. Esther füllt den Behälter mit zwanzig Litern voll und schleppt ihn zurück ins Dorf.

Sauberes Wasser gibt es nicht – nicht einmal für das Gesundheitszentrum, das mit der Unterstützung von CARE Ende 2024 errichtet wurde. Es braucht etwa 400 Liter Wasser am Tag. Die Mitarbeiter:innen müssen dafür 20-mal zur Wasserstelle gehen. Trotz des Infektionsrisikos hat auch die Gesundheitseinrichtung keine andere Wahl als das verschmutzte Wasser zu verwenden.

Zugang zu Wasser

Die größte Herausforderung ist der Zugang zu sauberem Wasser. „Das Wasser, das wir haben, macht uns krank. Wir bekommen blutigen Durchfall.“ Esther und die anderen Bewohner:innen des Dorfes warten auf den nächsten Schritt im CARE-Projekt, der eine sichere Wasserversorgung vorsieht. Aber das Dorf ist abgelegen und schwer zu erreichen. Die Straße dorthin ist ein holpriger Feldweg durch dichtes Gebüsch und hohe Bäume. Sie ist sehr schmal, mit tiefen Schlaglöchern und Schlamm. Links und rechts liegt der Dschungel dunkel und unberührt.

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Esther holt Wasser von der einzigen Wasserstelle. Foto: Sarah Easter/CARE

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Esther sorgt für ihre kranke Mutter Afijau (67). Foto: Sarah Easter/CARE

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Bevor das Gesundheitszentrum von CARE errichtet wurde, musste Esther in die Stadt, um Medikamente für ihre Mutter zu kaufen. Weil ihr das Geld fehlte, legten mehrere Dorfbewohner:innen zusammen. Foto: Sarah Easter/CARE

Esther und ihre Mutter Afijau (67) sind erst im vergangenen Jahr in ihr Dorf im Osten der Demokratischen Republik zurückgekehrt. Im Frühjahr 2023 hatten bewaffnete Männer ihr Zuhause angegriffen. „Sie haben alle unsere Häuser niedergebrannt und auf alles geschossen, das sich bewegte“, sagt Esther. Ihr Ehemann wurde getötet. Esther gelang mit ihrer Mutter die kräftezehrende Flucht in eine kleine Stadt, wo sie etwa 1,5 Jahre in einem Zelt lebten.

Aufgrund der zunehmenden Gewalt bewaffneter nichtstaatlicher Gruppen in der gesamten östlichen Region wurden Tausende Menschen bei Angriffen auf Dörfer getötet. Ganze Gemeinden wurden zur Flucht gezwungen. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind derzeit mehr als 7,4 Millionen Menschen innerhalb der DR Kongo auf der Flucht, die meisten davon aus ländlichen Gebieten, wo Überfälle und Massaker zu einer ständigen Bedrohung geworden sind.

Als sich die Lage etwas beruhigte, kamen Esther und ihre Mutter in das Dorf zurück. „Es sah aus wie der Dschungel. Es war nichts mehr übrig. Ich war untröstlich, als ich merkte, dass unser Dorf, unser Zuhause, einfach verschwunden war“, sagt Esther. Sie kehrten in eine Ruine zurück. Es dauerte drei Monate, bis Familienmitglieder das Haus von Esther und ihrer Mutter wieder aufgebaut hatten. Im Dorf sind die meisten Häuser kleine Hütten aus Lehm und Stöcken, deren Dächer aus getrockneten Palmblättern bestehen.

Geld sammeln, bevor sie sterben

Seit November 2024 unterstützt CARE das örtliche Gesundheitszentrum. Zuvor gab es keine Medikamente. Die Dorfbewohner:innen mussten arbeiten und Geld sammeln, um sie im entfernten allgemeinen Krankenhaus in der Stadt an der Hauptstraße zu kaufen. „Meine Mutter ist krank. Deshalb bin ich von 7 Uhr morgens bis 15 Uhr nachmittags zu Fuß zum Krankenhaus und habe 40 US-Dollar für ihre Behandlung ausgegeben“, berichtet Esther. „Wir hatten nur fünf US-Dollar, also hat die ganze Gemeinde zuvor einen Monat hart gearbeitet, um das Geld gemeinsam aufzubringen. Meine Mutter musste so lange unter Schmerzen warten.“

Trotz des Zusammenhalts im Dorf kam die Hilfe oft zu spät. „Einige von uns sind gestorben, wenn sie zu lange auf ihre Behandlung warten mussten, weil wir nicht schnell genug das Geld zusammenbekommen haben“, sagt Esther. Das Gesundheitszentrum ist für alle eine sehr große Erleichterung. Die Unterstützung ist kostenlos und die Einrichtung so nah, dass ihre Mutter zu Fuß hingehen kann. Sie wird nun gegen Malaria und Gelenkschmerzen behandelt, außerdem gegen blutigen Durchfall, der zu einer gefährlichen Dehydrierung geführt hat.

Für Esther ist Überleben eine Frage der Ausdauer. Sie hat ihr Haus aus dem Nichts wieder aufgebaut, Arbeit gefunden, als es kaum welche gab, und ihre Mutter am Leben erhalten, als Lebensmittel knapp und Medikamente weit weg und teuer waren. „Wir haben gelernt, dass Überleben nicht bedeutet, auf Sicherheit zu warten. Es bedeutet, das zu tun, was getan werden muss, auch wenn es schwer ist“, sagt Esther. Sie bückt sich, um den Kanister mit Wasser zu füllen und trägt die schwere Last zurück ins Dorf.

CARE unterstützt ein Gesundheitszentrum in Esthers Dorf in der DR Kongo. CARE unterstützt ein Gesundheitszentrum in Esthers Dorf in der DR Kongo.

„Überleben bedeutet, zu tun, was getan werden muss – auch wenn es schwer ist“, sagt Esther. Foto: Sarah Easter/CARE

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