Kinder fliehen alleine vor Kämpfen

Assim (13) rennt neun Tage lang, bis er im Südsudan in Sicherheit ist. Seine Heimatstadt im Sudan wurde angegriffen. Was er davon zuletzt sieht, ist Feuer und Staub. Von seinem Zuhause bleibt nur Asche. Auf der Flucht zischen Gewehrkugeln an Assims Ohren vorbei. Um ihn herum fallen Menschen, die von Schüssen getroffen werden. Sein Bruder, Nachbar:innen, Freund:innen, Bekannte.

„Es wurden so viele Menschen direkt neben mir erschossen. Auf der Flucht musste ich über ihre toten Körper springen und so schnell wie möglich rennen“, sagt Assim. „Ich hatte Glück, dass mich die Kugeln nicht erwischt haben.“ Er erinnert sich an das Geräusch, das sie machten, als sie an seinem Kopf vorbeiflogen. Es klang wie ein scharfes Flüstern, wie ein Hauch von Tod.

In keiner Krise weltweit werden so viele Kinder vertrieben wie im Sudan. Seit dem Beginn der Kämpfe im April 2023 waren fast fünf Millionen Kinder gezwungen, aus ihrer Heimat zu fliehen. Eine Million hat die Grenzen zu Nachbarländern wie Tschad, Ägypten und Südsudan überquert. Familien werden in dem Chaos getrennt – kleine, fest umklammernde Hände werden auf der Flucht weggerissen.

Kinder bleiben neben den Leichen ihrer Eltern zurück. Einige, wie Assim, rennen weg. Andere haben nicht die Chance dazu. Im Südsudan leben heute Tausende von unbegleiteten Kindern, von denen jedes einzelne eine Geschichte mit sich trägt, die zu schwer für die kleinen Schultern ist. Sie kommen geschwächt, unterernährt und verstummt an. Viele werden ihre Familien nie wieder sehen. Im Südsudan sind 56 Prozent der sudanesischen Flüchtlinge unter 18 Jahre alt.

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"Ich wusste nicht, wohin ich ging. Ich lief und lief, bis die Waffen verstummten.“ Nach Tagen kommt er in einem kleinen Dorf im Südsudan an und bekommt Hilfe, Essen, Wasser und eine Hütte als Unterkunft. Foto: Sarah Easter/CARE

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Auf der Flucht versteckt sich Assim aus Angst vor Hyänen nachts auf Bäumen. "Sie jagten mich. Aber sie waren nicht so furchterregend wie die Männer mit den Waffen.“ Foto: Sarah Easter/CARE

Assim flieht über trockene, rissige Erde und rötlichen Sand. „Ich wusste nicht, wohin ich ging. Ich lief und lief, bis die Waffen verstummten.“ Nach Tagen kommt er in einem kleinen Dorf im Südsudan an und bekommt Hilfe, Essen und Wasser. Schule gibt es dort keine für ihn. Eine Chance auf Zukunft sieht er nicht. Kann er jemals in den Sudan zurück, wo ein gewaltsamer Konflikt bereits 12,9 Millionen Menschen vertrieben hat? Assim will, dass zuerst Frieden ist. „Ich werde warten, bis sie aufhören zu schießen, bevor ich nach Hause zurückkehre.“ Er weiß nicht, ob noch jemand aus seiner Familie am Leben ist.

Wenn Assim versucht, an seine Schulzeit oder an irgendein freudiges Ereignis zu denken, hat er Schwierigkeiten. Alles vor der Flucht ist verloren in einem Nebel aus Erschöpfung und Trauma. Er hat häufig Kopfschmerzen. Assim geht in ein kleines Gesundheitszentrum, das von CARE betrieben wird, um Medikamente zu bekommen. „Es ist gut, dass CARE hier ist. Ohne CARE gäbe es hier nichts. Nur Staub, Trauma, Kummer und Tod“, sagt er.

Das Gesundheitszentrum ist die einzige Anlaufstelle im Umkreis von mehreren Kilometern, um Hilfe von einer humanitären Organisation zu erhalten. Es bietet lebensrettende Unterstützung für Geflüchtete, die oft unterernährt und schwach sind. Ihre Zukunft ist, wie die von Assim, ungewiss.

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