"Ich weiß,
was Krieg ist"

„Ich habe fünf Kriege miterlebt. Ich weiß, was Krieg ist. Ich weiß, was Vertreibung bedeutet. Ich weiß, was es heißt, alles zu verlieren“, sagt mir Hiba Jaber, CARE-Managerin für Gender und Protection im Libanon (Foto). Sie stammt aus dem Süden des Landes. Ihre zwei Söhne sind drei Jahre und knapp ein Jahr alt.

Als Kind schlief sie, wenn Krieg herrschte, mit ihrer Familie auf Matratzen auf dem Boden in einem Vorraum der Wohnung. „Ich fühlte mich sicher, weil ich damals den Krieg noch nicht verstand“, sagt Hiba. „Heute bin ich selbst Mutter. Mit kleinen Kindern lastet der Krieg noch schwerer auf mir.“

Wenn ihr älterer Sohn Bomben hört, sagt er, es sei Donner. Dann fragt er aber, wo der Regen bleibt. Hiba hätte sich für ihre Kinder eine unbeschwertere Kindheit gewünscht. „Stattdessen wachsen sie mit denselben Geräuschen auf, mit denen ich aufgewachsen bin. Der Krieg hinterlässt Narben und einen tiefen Schmerz, den ich nicht beschreiben kann.“

Hiba durchlebt selbst die Krise, in der sie als humanitäre Helferin für CARE tätig ist. „Ich begegne jeden Tag Familien, die dieselbe Angst in sich tragen wie ich“, sagt sie. „Meine Familie hat ihr Zuhause verloren, und ich weiß, wie es sich anfühlt, Angst zu haben, in seine Heimat zurückzukehren und diese Zerstörung zu sehen.“

Der Einsatz für andere Menschen gibt Hiba Kraft. Doch die Belastung des Lebens in einem Konflikt bleibt. „Wir können Häuser wieder aufbauen und Straßen reparieren, aber der Krieg hinterlässt Wunden, die viel schwerer zu heilen sind.“

CARE-Krisenreporterin Sarah Easter (Foto) war vor kurzem im Libanon: 

Die humanitäre Krise im Libanon lässt sich nicht nur an der Zahl der Vertriebenen oder der zerstörten Häuser messen. Sie zeigt sich in den unmöglichen Entscheidungen, zu denen Familien jeden Tag gezwungen sind. Ich habe Familien getroffen, die schon mehrfach vertrieben worden waren und nicht mehr wussten, wo sie leben sollten.

Ich habe Eltern getroffen, die in unsichere Gebiete zurückkehrten, weil sie sich ihre Mieten einfach nicht mehr leisten konnten. Ich traf eine Mutter, die keine Zeit für ihre Gefühle hatte, weil ihr zu viel auf den Schultern lastete. Ihr Mann wurde bei einem Luftangriff getötet, und sie verdrängt ihre Trauer, weil ihre zwölfjährige Tochter ihre Unterstützung braucht.

Ein Vater von vier Kindern schläft nicht mehr, ohne für den Fall einer erneuten Eskalation eine Tasche gepackt zu haben – gefüllt mit Tellern, Besteck und Essen für zehn Tage. Denn im Notfall könnte er seinen Kindern nicht einmal ein Sandwich kaufen. Eine Mutter aus Beirut traut sich kaum noch aus dem Haus, weil sie nicht weiß, ob sie lebend zurückkommt.

Das sind keine Einzelfälle. Es ist die Realität für Millionen von Menschen, die jahrelange Konflikte, wirtschaftlichen Zusammenbruch und wiederholte Vertreibung erdulden mussten.

Humanitäre Hilfe sorgt für Nahrung, Unterkunft und lebenswichtige Versorgung, aber sie gibt den Menschen auch etwas ebenso Wichtiges. Sie gibt ihnen die Chance, ihre Würde zu bewahren, ihre Familien zu schützen und an der Hoffnung auf eine Zukunft festzuhalten, die über das bloße Überleben hinausgeht.

CARE unterstützt im Libanon Menschen, die durch die Evakuierungen und Angriffe ihre Häuser verlassen mussten. Viele Familien sind plötzlich ohne Unterkunft.

Ihre Spende versorgt vertriebene Familien z.B. mit lebensrettender Nahrung, Hygieneartikeln und Matratzen und Decken.

Mit über 40 Jahren Erfahrung in der humanitären Hilfe im Land ist CARE bestens vertraut mit den Gegebenheiten vor Ort. Unsere Partner sind lokale Hilfsorganisationen, die uns bei der Logistik und Verteilung der Hilfsgüter unterstützen. Wir arbeiten eng mit internationalen Hilfsnetzwerken zusammen, um eine möglichst wirksame und nachhaltige Hilfe zu gewährleisten.

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