"Ich dachte,
wir sterben"

Als das Wasser kam, blieb keine Zeit. Jobia (88) rannte mit ihren drei Enkelkindern mitten in der Nacht aus dem Haus – ohne etwas mitnehmen zu können. Draußen stieg der Pegel rasend schnell.

Im Distrikt Chókwè in der Provinz Gaza im Süden von Mosambik gingen Anfang des Jahres 2026 tagelang intensive Regenfälle nieder. Dann wurden die Tore des Massingir-Staudamms geöffnet. Was folgte, war eine Flutwelle. Ganze Landstriche wurden überschwemmt, Felder, Häuser und andere Infrastruktur zerstört. Hunderte Familien verloren über Nacht ihr Hab und Gut.

Jobia und ihre Enkelkinder (13, 11 und 10 Jahre alt) flüchteten zum Haus von Verwandten. Doch auch dort waren sie nicht in Sicherheit. Die Fluten holten sie ein, überall war Wasser. Eine ganze Woche lang harrten sie auf dem Dach des Hauses aus: ohne Essen, ohne Schutz. „Dort oben hatten wir nichts zu essen außer Regenwasser. Das Wasser stieg immer weiter. Es kam ein Moment, in dem wir dachten, wir würden dort sterben“, sagt Jobia. Die Kinder weinten vor Hunger und Kälte, während sie hilflos zusah, wie nicht weit entfernt ihr Zuhause einstürzte. „Ich konnte nichts retten. Ich habe sehr geweint.“

Luftaufnahme einer überfluteten ländlichen Region in Mosambik: braunes Hochwasser umspült Bäume, Felder und teilweise überflutete Häuser. Luftaufnahme einer überfluteten ländlichen Region in Mosambik: braunes Hochwasser umspült Bäume, Felder und teilweise überflutete Häuser.

Überflutete Häuser und Felder nach den schweren Überschwemmungen in Mosambik. Foto: CARE

„Ich baue unser Haus wieder auf“

Jobia und die Kinder überlebten, doch sie standen vor dem Nichts. Mit Finanzierung durch die Europäische Union leistete CARE in ihrem Dorf Nothilfe. Familien wie jene von Jobia erhielten ein Zelt, Ausstattung für die Notunterkunft und Bargeld für die dringendsten Ausgaben. Das Prinzip dahinter: Menschen nicht bevormunden, sondern ihnen die Freiheit lassen, selbst zu entscheiden, was sie am dringendsten brauchen.

Die Witwe sorgt alleine für die Kinder, deren Eltern im Ausland leben. „Ich konnte erst wieder schlafen, als CARE mir dieses Zelt gab“, sagt sie. Jobia kaufte als erstes Lebensmittel, bezahlte für ihre Enkelkinder die Schulgebühren und beschaffte Schuluniformen und Sandalen. Danach holte sie Baumaterial.

„Ich baue unser Zuhause wieder auf“, sagt sie entschlossen. Schritt für Schritt wächst auf Jobias Land ein neues kleines Haus. Noch schläft sie auf dem Boden, auf einer Matte, bedeckt mit capulanas (traditioneller Stoff).  Ihr größter Traum ist ein Bett – und sie wünscht sich ein Dach aus Blech und vier fertige Wände. Sie weiß, dass erneut Fluten kommen können. Ihr Land verlassen will sie trotzdem nicht – es ist alles, was sie hat.

Für Jobia bedeutet Wiederaufbau mehr als neue Mauern. Es bedeutet, dass ihre Enkelkinder satt sind, in der Schule bleiben und in Sicherheit aufwachsen können. Ihre Geschichte zeigt: Hilfe wirkt dann am stärksten, wenn sie den Menschen die Kraft zurückgibt, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

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In einem Projekt mit der EU erhielt Jobia ein Zelt für sich und die Enkelkinder. Foto: CARE

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Jobia gibt nicht auf: Sie beschaffte Nahrung und Schulsachen für die Kinder. Foto: CARE

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Jobia baut ihr zerstörtes Haus wieder auf. Wände stehen schon. Foto: CARE

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