Geburt auf der
Flucht

Als die Wehen einsetzen, weiß Galatia (40) nicht wohin. Sie ist seit Tagen durch die Nuba-Berge im Sudan gewandert. Sie ist mit ihren Kindern allein auf der Flucht vor dem Krieg. Galatia sieht auf dem Weg vor ihr eine unbekannte Frau und bittet sie um Hilfe. Ihre jüngste Tochter Miriam wird auf dem Boden der Hütte einer Fremden geboren. Es gibt keine Klinik. Keine Hebamme. Kein sauberes Wasser.

Nach der Geburt setzt eine Infektion ein. „Mein ganzer Körper schmerzte, und ich konnte mich kaum aus dem Bett bewegen“, sagt Galatia. Aber es war niemand da, der ihr Medikamente geben oder sie behandeln konnte. „Ich blieb sieben Tage lang im Haus der Frau, die uns gerettet hatte. Ich war so dankbar, dass zu dieser Zeit keine Bomben fielen und ich einfach atmen konnte.“ Nach einer Woche ging sie mit einem Neugeborenen im Arm weiter. Sie hatte das Gefühl, nicht länger bleiben zu können. „Die Familie dort hatte selbst zu kämpfen“, sagt Galatia.

Wasser aus Pfützen trinken

Galatia stammt aus dem sudanesischen Dorf Angolo. Jeden Tag fallen in der Region Bomben und reißen Häuser und Felder in Stücke. Am schlimmsten für die Mutter ist, dass ihre Kinder nicht in Sicherheit sind. Sie flieht, um Schutz für sie zu finden. Der Weg verlangt Mutter und Kindern alles ab. Sie meiden Hauptstraßen, um bewaffneten Überfällen zu entgehen. Sie folgen Pfaden durch den Busch.

Wenn es regnet, halten sie an, um Wasser aus Pfützen zu schöpfen. „Ich würde es nicht als Wasser bezeichnen. Es war einfach etwas, das da war und uns am Leben hielt, auch wenn es uns alle krank machte“, sagt Galatia. „Das Wasser war voller Sand und hatte eine rote Farbe.“ Sie benutzte einen alten Ölkanister, um es zu schöpfen, und drückte die Öffnung an die Lippen ihrer Kinder.

Galatia mit ihren Kindern. Die auf der Flucht geborene Mariam ist jetzt zwei Jahre alt. Foto: Sarah Easter/CARE

Heute lebt Galatia in einer kleinen Siedlung im Südsudan, nur drei Kilometer von der Grenze zum Sudan entfernt. Die auf der Flucht geborene Mariam ist mittlerweile zwei Jahre alt. Galatias Mann will später aus dem Heimatort nachkommen, doch er kommt nie an. Frühere Nachbar:innen, die auch in den Südsudan fliehen, bringen Galatia die Nachricht, dass er erschossen wurde. Galatia braucht Monate, bis sie die Kraft aufbringen kann, dies auch den Kindern zu sagen, die auf den Vater warten.

Nahrung ist knapp. Ganze Gemeinden sind geflohen. Sie pflanzen Bohnen in den trockenen Sand, der nicht der gute Ackerboden ist, den sie von daheim aus den Nuba-Bergen gewohnt sind. Aber die Bohnenernte reicht, um wenigstens eine Mahlzeit am Tag zu haben. „Wir kochen die Bohnen, mischen sie mit Wasser und essen eine sehr dünne Suppe“, sagt Galatia

Eine Gesundheitseinrichtung als Rettungsanker

In der Siedlung gibt es fast nichts. Keine Schulen. Keine organisierten Unterkünfte. Keine Lebensmittelverteilung. Keine Arbeitsplätze. Aber eines gibt es: Eine kleine Gesundheitseinrichtung, die von CARE betrieben wird. „Sie ist der Grund, warum wir hier überleben können. Ich weiß nicht, was wir ohne sie tun würden. Wir können nicht zurück, wir können nicht weiter. Wir sitzen hier fest“, sagt Galatia.

Die Einrichtung hilft Geflüchteten, Rückkehrer:innen und der lokalen Bevölkerung. Sie ist da, wenn jemand krank, verletzt, unterernährt, schwanger oder zu schwach zum Weitergehen ist.  Ein Team aus Hebammen, Krankenschwestern, Apotheker:innen, Impfpersonal, Ernährungsberater:innen und Labortechniker:innen leistet hier direkt an der Grenze medizinische Hilfe.

Auch Galatia und ihre Kinder wurden hier versorgt. „Ich hatte einmal Malaria, und sie haben mir Medikamente gegeben. Auch als meine Kinder unterernährt waren, hat CARE uns geholfen, und sie haben überlebt. Letzte Woche hatte ich Typhus und wurde behandelt. Ich bin die Einzige, die für meine Kinder sorgt. Wenn ich sterbe, sind sie ganz auf sich allein gestellt“, sagt Galatia.

Ob und wie lange die Gesundheitseinrichtung von CARE weiter bestehen kann, ist offen. Derzeit ist die Finanzierung nur bis Ende Juni gesichert.

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