Gemeinsam global handeln

80 Jahre CARE: Vom Hilfspaket zur globalen Verantwortung

Wien, im Sommer 1946. Mehr als zwei Drittel der Kinder sind unterernährt. Und dann kommt aus den USA ein Paket. Waltraude Ertler, heute 83, erinnert sich: „Das CARE-Paket® war ein Geschenk des Himmels.“ Über eine Million CARE-Pakete® wurden damals in Österreich verteilt. Heute, 80 Jahre später, ist Österreich Geberland. CARE ist zur globalen Organisation gewachsen – 2025 in 121 Ländern aktiv, haben wir 58,7 Millionen Menschen mit Hilfe erreicht. Die Grundfrage ist dieselbe geblieben: Wer wird gesehen – und wer bleibt zurück?

Schwerste Finanzierungskrise der humanitären Hilfe

Der Bedarf an humanitärer Hilfe ist massiv gestiegen. Gleichzeitig erleben wir die schwerste Finanzierungskrise der humanitären Hilfe seit Jahrzehnten. Die USA haben sich weitgehend zurückgezogen. Eine Studie im Magazin Lancet warnt vor bis zu 14 Millionen vermeidbaren Todesfällen in den nächsten fünf Jahren.

Laila (42) lebt in einem Zeltlager in Syrien. Sie sagt: „Nicht ausreichend Wasser zu haben, ist keine Unannehmlichkeit – es ist eine Katastrophe.“ CARE liefert Wasser per Tanklastwagen. Das rettet heute Leben. Aber was Laila wirklich braucht, ist Entwicklungsarbeit: funktionierende Infrastruktur, wirtschaftliche Perspektiven, Bildung für ihre Kinder. Wenn wir hier bei der Unterstützung kürzen, löschen wir das Feuer – bekämpfen aber nicht die Brandursachen.

Frauen sind nicht Opfer, sondern Trägerinnen von Lösungen

91 Prozent der von CARE befragten Frauen in 15 Konfliktländern geben an, aktiv ihre Gemeinschaften zu unterstützen – oft in führenden Rollen. Gleichzeitig sind sie die Ersten, die Kürzungen spüren: Mädchen verlassen die Schule, Schutzprogramme fallen weg, Gesundheitsangebote schließen. Jeden Tag bringen im Gazastreifen rund 183 Frauen Kinder zur Welt – meist ohne medizinische Versorgung, in Zelten, unter Hunger. Wenn wir hier streichen, kappen wir an der Wurzel von Entwicklung.

Was Österreich jetzt tun müsste

In einer Zeit, in der andere Geber sich zurückziehen, ist Österreichs Verlässlichkeit ein sicherheitspolitischer Faktor und ein Hebel für europäische Glaubwürdigkeit. Ich wünsche mir zwei Dinge: planbare, mehrjährige Zusagen in der Entwicklungszusammenarbeit und klare Signale pro Entwicklungszusammenarbeit in Brüssel und Wien.

Samias Sohn Abakar kam mit elf Monaten in unser Ernährungszentrum im Tschad – so schwach, dass er sich kaum noch bewegte. Heute läuft er. Weil jemand bezahlt hat. Wenn dieses Zentrum schließt – nicht, weil der Bedarf weg ist, sondern weil das Geld fehlt – ist das keine abstrakte Budgetentscheidung. Das ist eine Entscheidung über das Leben von Kindern. Das humanitäre Versprechen, niemanden zurückzulassen, müssen wir gemeinsam in die nächsten Jahre tragen.

Einladung in den Club 0,7 % des Außenministerium (BMEIA). v.l.n.r.: Botschafter Dr. René Amry, Dr. Andrea Barschdorf-Hager, Dr. Desirée Schweitzer (Botschafterin a.D.) Einladung in den Club 0,7 % des Außenministerium (BMEIA). v.l.n.r.: Botschafter Dr. René Amry, Dr. Andrea Barschdorf-Hager, Dr. Desirée Schweitzer (Botschafterin a.D.)

Im Club 0,7 % des Außenministerium (BMEIA). v.l.n.r.: Botschafter Dr. René Amry, Dr. Andrea Barschdorf-Hager, Dr. Desirée Schweitzer (Botschafterin a.D.)

Zurück nach oben