Sechs Jahre im Verborgenen

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Heinrich Ehlers wurde 1939 in Wien geboren – in eine Zeit, die ihm und seiner Familie das Unmögliche abverlangte. Heute erinnert sich der 87-Jährige an sechs Jahre im Keller, den Hunger in der Nachkriegszeit und die Momente, in denen das CARE-Paket® Linderung brachte.

„Die ersten sechs Jahre haben wir im Keller verbracht. Wir waren die ganze Zeit versteckt“, erzählt Heinrich Ehlers über seine frühe Kindheit. Sein Vater war Musiker bei den Wiener Symphonikern und jüdischer Abstammung. Als die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in Wien zunahm, handelte Ehlersʼ Mutter. Sie fand einen Keller im 5. Wiener Gemeindebezirk und begann, dort Vorräte anzulegen.

„Das war ein Glück, weil kurz darauf wurde die Familienwohnung im 16. Bezirk von der Gestapo versiegelt und ausgeräumt“, erinnert sich Ehlers. Die Familie taucht 1939 unter. In zwei Kellerräumen von insgesamt rund 18 Quadratmetern lebte Ehlers nun mit seinen Eltern, der Großmutter sowie seiner jüngeren Schwester und seinem Bruder.

Im Keller war es dunkel, erinnert sich Ehlers: „Wir hatten eine 15-Watt-Birne. Das Schwächste, was es damals gab.“ Die beiden Fenster waren meistens verdeckt. Die Familie durfte nicht auffallen. Auf der anderen Straßenseite befand sich damals ein Quartier der Hitlerjugend. Durch kleine Luftschlitze im Fenster sahen die Kinder die weißen Stutzen der Mitglieder, wenn diese jeden Morgen zum Fahnenappell antraten. „Die ganzen sechs Jahre haben wir uns kaum bewegt“, sagt Ehlers.

Heinrich Ehlers Familie Anfang 1940er Heinrich Ehlers Familie Anfang 1940er

Auf dem Foto ist Heinrich Ehlers Vater, Heinrich Ehlers als Kleinkind, sein jüngerer Bruder und seine Mutter zu sehen. Das Bild entstand Anfang der 1940er-Jahre. Foto: Privat

Die Versorgung der Familie war eine ständige Herausforderung. Ehlersʼ Vater, ausgestattet mit einem falschen Ausweis, wagte sich immer wieder nach draußen – zum nahe gelegenen Naschmarkt, oder auf tagelange nächtliche Fußmärsche über die Felder nach Niederösterreich, wo Verwandte seiner Frau lebten. Zudem unterstütze ein böhmisches Hausbesorgerpaar die Familie im Verborgenen, so gut es konnte.

CARE-Paket® in der Not

Als der Krieg 1945 endete und Familie Ehlers den Keller verlassen konnte, lag Wien in Trümmern. Die Versorgungslage der Bevölkerung war kritisch, die Menschen hungerten. „Mein Vater, der früher sehr muskulös und sportlich gewesen war, war zu diesem Zeitpunkt nur noch Haut und Knochen – genauso meine Mutter“, erinnert sich Ehlers. Seine Mutter erkrankte nach dem Krieg an einem Hirntumor und musste 1948 operiert werden.

Ehlers selbst litt durch jahrelange Unterernährung und Feuchtigkeit an einer geschwächten Lunge. Die ganze Familie war krank. „Wir hatten nichts zu essen. Wie so viele andere Familien. Und so haben wir gehungert. Das waren wirkliche Schmerzen.

In dieser Not kamen die CARE-Pakete®. „Ich erinnere mich, dass wir jedes Mal Freudentänze gemacht haben. Es war ein Fest für uns. Ein Fest.“ In den Paketen fanden sich Dinge, die für die Kinder eine völlig neue Welt bedeuteten: Corned Beef, Schokolade, Kakao, Reis, Margarine und Kaffee für die Eltern. „Wir hatten noch nie Kakao gesehen“, erinnert sich Ehlers. „Wir wussten nicht einmal, was Schokolade ist, weil wir sie nie gehabt hatten.“

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Für seine Familie war die Ankunft eines CARE-Pakets® jedes Mal „ein Fest“, erzählt Heinrich Ehlers. Foto: Lukas Kamleithner/CARE

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Corned Beef, Schokolade und Kakao aus dem CARE-Paket® sind Heinrich Ehlers besonders in Erinnerung geblieben. Foto: Lukas Kamleithner/CARE

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Während seines Besuchs im Büro von CARE Österreich, erzählt Heinrich Ehlers CARE-Mitarbeiterin Eva Draxler von seiner Kindheit während des Zweiten Weltkriegs. Foto: Lukas Kamleithner/CARE

Das braune Paket, das er als kleiner Junge kaum heben konnte, ist ihm bis heute in lebhafter Erinnerung geblieben. Und auch der Geschmack: „Ich kaufe mir noch heute hin und wieder Corned Beef. Es schmeckt mir zwar nicht mehr so wie früher, aber damals war es etwas ganz Besonderes.“

Heinrich Ehlers kehrte Anfang 1963 nach sechs Jahren in Israel zurück nach Wien und baute sich ein neues Leben auf. Die Hilfe von CARE hat er dabei nie vergessen. „Deshalb war CARE die erste Organisation, für die ich zu spenden begonnen habe“, sagt er. „Und seitdem sehe ich das als meinen Auftrag.“

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