„Als der Krieg unser Dorf erreichte, mussten wir fliehen und alles zurücklassen. Wir hatten nur die Kleidung, die wir trugen“, sagt Morada, eine Mutter in Taiz im Südwesten des Jemen. Sie gehört zu mehr als 200.000 Menschen, die seit der Eskalation von Kämpfen im September ihr Zuhause verloren haben.
Es ist der schwerste Gewaltausbruch seit der UN-Waffenruhe 2022. Laut WHO starben 959 Menschen, mehr als 4.200 wurden verletzt.
„Als wir ankamen, schliefen wir hungrig auf dem nackten Boden, es regnete auf uns“, erzählt Morada. „Meine Kinder haben Hunger und weinen sich in den Schlaf.“ Frauen sind auf der Suche nach Schutz oft auf sich alleine gestellt.
Ohne Nahrung zu Fuß auf der Flucht
Rund 2.000 Schwangere sind nach UN-Schätzungen unterwegs. Für viele Familien ist es nicht das erste Mal, dass sie vertrieben werden. Manche fliehen mehrere Tage zu Fuß ohne Wasser und ohne Nahrung. Seit 2014 der Krieg im Jemen begann, verschlechterte sich die Lage von Jahr zu Jahr. Rund zwei Drittel der 35 Millionen Einwohner:innen des Landes brauchen humanitäre Hilfe.
„Vertriebene Frauen kämpfen darum, ihre Familien zu ernähren und sauberes Wasser zu finden“, sagt Iman Abdullahi, Landesdirektorin von CARE Jemen. In manchen Unterkünften fehlen Toiletten, Waschräume und Licht. Mütter reduzieren ihre ohnehin schon kargen Essensrationen, damit für Kinder ein wenig mehr an Nahrung bleibt.
Eine Mutter mit einem Neugeborenen in einer Notunterkunft. Foto: Ahmed Albasha/CARE
Mütter reduzieren ihre ohnehin schon kargen Essensrationen, damit für Kinder ein wenig mehr an Nahrung bleibt. Viele Kinder sind krank und geschwächt von der Flucht. Foto: Ahmed Albasha/CARE
Es fehlt auch an Brennholz und Nahrungsmitteln. Foto: Ahmed Albasha/CARE
Abdo wurde ebenfalls vertrieben. Sie schildert die Not: „Mehr als acht Familien leben hier. Ich muss nachts auf dem Dach schlafen, der Kälte ausgesetzt.“ Es fehlt an Brennholz. Dazu kommt die Seuchengefahr: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt über 7.800 Cholerafälle im Land.
Der internationale Hilfsplan für den Jemen sieht für 2026 über 2,16 Milliarden Dollar vor. Doch er ist nur zu etwa 20 Prozent finanziert, so wenig wie seit einem Jahrzehnt nicht.
CARE verteilte Bargeld an über 800 Familien und Lebensmittel an 1.564 Haushalte. In Aden erhielten 300 Frauen Hygienesets. „Hilfsorganisationen brauchen sicheren Zugang zu den Menschen in Not“, sagt CARE-Nothelferin Abdullahi.
So hilft CARE
CARE hat seit 2013 ein eigenes Büro und ein Team in Taiz, das in sechs der 23 Bezirke der Provinz tätig ist. Als die Eskalation begann, liefen bereits Programme in den Bereichen Ernährung, Gesundheit und Bildung – alle drei mussten angepasst werden.
Die Nahrungsmittelverteilungen des Welternährungsprogramms (WFP) in der Stadt Taiz sind aufgrund von Straßenblockaden ins Stocken geraten. CARE stellt deshalb auf Bargeldhilfen um, damit Familien weiter erreicht werden können. Alle zwölf Schulen, die CARE unterstützt hatte, werden nun für militärische Zwecke genutzt, wodurch den Kindern der Zugang zu Bildung verwehrt wird.
Im täglichen Kampf ums Überleben zählt für Mütter wie Morada nur das Naheliegende. „Ich hoffe auf Essen, Kochgas und Matratzen für meine Familie.“
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