Libanon sowie Westbank und Gaza zählen derzeit zu den gefährlichsten Einsatzgebieten für humanitäre Helfer:innen, so die internationale Hilfsorganisation CARE. Laut Daten der Aid Worker Security Database wurden seit Jahresbeginn 2026 bereits 82 humanitäre Hilfskräfte getötet – 21 davon im Libanon, 20 in Westbank und Gaza, zwölf im Südsudan, elf im Sudan und sieben in der Ukraine. CARE fordert ein sofortiges Ende der Angriffe auf Nothelfer:innen, sicheren und ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe sowie wirksame Maßnahmen gegen die Straflosigkeit der Täter.

„Wer Menschen in Krisen und Konflikten mit Essen, Wasser, medizinischer Versorgung und Schutz versorgt, darf selbst nicht zur Zielscheibe werden. Angriffe auf humanitäre Helferinnen und Helfer sind illegal und inakzeptabel. Sie sind keine Kollateralschäden, sondern gezielte Attacken auf ein System, das Leben rettet. Humanitäres Völkerrecht darf nicht nur auf dem Papier gelten“, mahnt Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von CARE Österreich.

Neben den Angriffen auf Hilfskräfte steht das humanitäre System unter Druck: Weltweit werden Mittel für humanitäre Hilfe gekürzt, Hilfsrouten blockiert, Genehmigungen und Visa verweigert und Organisationen an ihrer Arbeit gehindert. Gleichzeitig sind Helfer:innen zunehmend Verleumdungs- und Desinformationskampagnen ausgesetzt. Die Folgen sind gravierend: Wenn humanitäre Organisationen nicht sicher arbeiten können, erreicht lebensrettende Hilfe Millionen Menschen nicht.

Lokale Helfer:innen tragen das größte Risiko

Von den Angriffen betroffen sind zum überwiegenden Teil lokale Hilfskräfte, die den Großteil der humanitären Arbeit leisten. Sie unterstützen Menschen in ihren eigenen Gemeinschaften, während sie selbst oft von Konflikten und Gewalt betroffen sind. Neben der unmittelbaren Gefahr für ihr Leben und ihre körperliche Unversehrtheit sind sie damit auch enormen psychischen Belastungen ausgesetzt.

Eliane Abi Sleiman ist CARE-Nothelferin im Libanon und berichtet von der Doppelbelastung für Hilfskräfte vor Ort: „Als humanitäre Helfer:innen arbeiten wir in einem Bereich, in dem wir selbst betroffen sind. Wir haben Mitarbeitende, die vertrieben wurden oder sich Sorgen um ihre Familienangehörigen machen. Jeden Tag höre ich Frauen zu, die versuchen, für ihre Kinder stark zu bleiben, und älteren Menschen, die das Trauma früherer Kriege erneut durchleben. Sich diese Geschichten anzuhören, ist etwas, an das man sich nie wirklich gewöhnen kann. Aber wer sind wir ohne unser Mitgefühl? Wenn wir abstumpfen, verlieren wir einen wesentlichen Teil unserer Menschlichkeit. Das sind meine Leute. Deshalb sind wir jeden Tag wieder da.“

Hintergrund für Redaktionen: Die Zahlen basieren auf Daten der Aid Worker Security Database von Humanitarian Outcomes, die weltweite Berichte über vorsätzliche Gewalttaten gegen Mitarbeitende von Hilfsorganisationen erfasst. Im Jahr 2026 (Stand: 18. August) wurden 82 humanitäre Helfer:innen getötet, 97 verletzt, 39 entführt und 29 festgenommen oder inhaftiert. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 350 humanitäre Helfer:innen getötet, 322 verletzt, 235 entführt und 280 festgenommen oder inhaftiert.

Porträt einer jungen Frau mit langen, blonden Haaren in hellen Business-Kleidung, lächelnd vor neutralem Hintergrund – Ansprechpartnerin für Medienanfragen von CARE Österreich.

Stephanie Weber

Pressekontakt

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