Wien/Khartum, 14. April 2026. Seit drei Jahren verwüstet ein Krieg den Sudan und hat eine beispiellose humanitäre Krise ausgelöst. Knapp ein Drittel der Bevölkerung ist vertrieben, mehr als 28 Millionen Menschen sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen – über zehn Millionen von ihnen leiden unter schwerem Hunger. In Teilen des Landes wurde bereits eine Hungersnot bestätigt, weitere Gebiete sind gefährdet. Der Bericht “What it Takes to Eat. Conflict and Sudan’s Fragile Food System” der Hilfsorganisationen CARE, Action Against Hunger, International Rescue Committee, Mercy Corps und Norwegian Refugee Council dokumentiert, wie die Ernährungsversorgung im Sudan systematisch zerstört wird.

Wenn die Suche nach Essen zur Lebensgefahr wird

In besonders stark vom Konflikt betroffenen Regionen wie Nord-Darfur und Südkordofan überleben Millionen Menschen mit einer Mahlzeit pro Tag oder weniger. Anhaltende Angriffe, Vertreibung und zusammengebrochene Märkte zwingen Familien dazu, Mahlzeiten ganz auszulassen, Portionen zu verkleinern oder Blätter und Tierfutter zu essen. Immer mehr Gemeinschaftsküchen, die bislang lebenswichtig für die Versorgung waren, müssen schließen, weil Finanzierung und Lebensmittelvorräte fehlen.

Die Lage wird durch schwere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht verschärft –  wie den gezielten Einsatz von Hunger als Kriegswaffe sowie Angriffe auf Zivilpersonen und zivile Infrastruktur. Gewalt, Vertreibung und Belagerung haben das Ernährungssystem des Sudan systematisch zerschlagen: Bäuerinnen und Bauern wurden getötet, Felder zerstört, Märkte durch Angriffe, Sperren und Ausbeutung lahmgelegt.

Frauen und Mädchen besonders betroffen

Von Frauen geführte Familien sind dreimal häufiger von Hunger betroffen als von Männern geführte – weniger als zwei Prozent von ihnen haben ausreichend zu essen. Zusätzlich sind Frauen und Mädchen einem erhöhten Risiko sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt, was ihren Zugang zu Nahrung und Grundversorgung weiter einschränkt.

Humanitäre Hilfe dramatisch unterfinanziert

Trotz des enormen Bedarfs bleibt die humanitäre Hilfe massiv unterfinanziert: 2025 erhielt die Ernährungshilfe der Vereinten Nationen für den Sudan weniger als die Hälfte der erforderlichen Mittel. Für die gesamte humanitäre Hilfe waren Ende 2025 nur 40 Prozent des Bedarfs gedeckt.

CARE und die am Bericht beteiligten Organisationen fordern alle Konfliktparteien auf, unverzüglich die Kampfhandlungen einzustellen, das humanitäre Völkerrecht zu wahren, die Zivilbevölkerung zu schützen und humanitären Zugang zu garantieren. Ebenso dringend notwendig sind der Schutz des sudanesischen Ernährungssystems, Sicherheit für Menschen und Güter sowie die Unterstützung lokaler Märkte und der Nahrungsmittelproduktion. Ohne sofortige und nachhaltige internationale Intervention wird sich die Ernährungskrise im Sudan weiter verschärfen und Menschenleben kosten.

Hintergrund: Der Bericht basiert auf der Analyse humanitärer Daten sowie Einzelinterviews und Fokusgruppendiskussionen mit vertriebenen Bäuerinnen und Bauern, Händlerinnen und Händlern, Gemeindemitgliedern und humanitären Akteur:innen in Nord-Darfur, Südkordofan, White Nile und Gedaref.

 Spenden für die Katastrophenhilfe werden dringend benötigt:
CARE Österreich Spendenkonto IBAN: AT77 6000 0000 0123 6000 oder online

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