Vom Frühstücksei
zum Familienbetrieb

Vom Frühstücksei zum Geschäftsmodell: Wie eine Hühnerzucht in Ruanda eine Familie ernährt und neues Einkommen schafft.

Im Dorf Karwanira gackert und kräht es heute lauter als früher. Jean Claude Iraguha, Vater von zwei Kindern, begann hier bereits vor einigen Jahren Hühner zu halten. Geschäftliche Überlegungen hatte er zunächst nicht. „Zehn Hühner waren genug für mich“, erinnert er sich. „Meine Kinder hatten Eier. Das machte mich glücklich, denn die gute Ernährung meiner Kinder war gesichert.“ Geld verdienen? Daran dachte er nie. Wie viele Kleinbauern sah er die Geflügelzucht als reine Selbstversorgung.

Von Hühner im Hinterhof zum kleinen Unternehmen

Der Wendepunkt kam, als Jean Claude einer Spargruppe beitrat, die vom CARE-Projekt Kungahara unterstützt wird. Es hilft Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, klimaresistente Landwirtschaft zu betreiben, Märkte zu erschließen und Mangelernährung zu bekämpfen. Durch Schulungen und die Vermittlung an Partner in der Hühnerzucht lernte Jean Claude, wie man Hühnerställe richtig baut, Küken aufzieht und größere Gruppen von Hühnern versorgt.

„Ich dachte immer, nur reiche Leute könnten sich hundert Hühner leisten“, sagt er. „Aber die Schulung zeigte mir: Ich kann das auch.“ Gemeinsam mit seiner Frau traf er eine mutige Entscheidung: Sie verkauften zwei ihrer Schafe, um Baumaterial zu kaufen. Sie bauten einen neuen und größeren Stall. Hundert Küken zogen ein.

Jean Claude rechnete sich aus, wie viel Gewinn nach der Aufzucht und dem Verkauf von hundert Tieren bleibt. Das Ergebnis verschafft der Familie ein neues Einkommen. Doch er denkt bereits weiter: Er plant die Aufzucht von tausend Küken, vielleicht mehr. Jean Claude möchte die Menschen in seiner Nachbarschaft und die Mitglieder seiner Spargruppe für die Hühnerzucht gewinnen. Sie sollen ihre Küken bei ihm kaufen und selbst zu Unternehmer:innen werden.

Hühner gegen Armut

Im Kampf gegen Hunger und Armut ist die Hühnerhaltung ein großer Erfolg. Die Zahlen des Projekts sprechen für sich: Fast 7.000 Haushalte haben bereits über 14.600 Hühner erworben, die meisten legen inzwischen Eier. Zusätzlich bekamen 212 bedürftige Familien, deren Kinder nicht genug zu essen hatten, direkt Hühner geschenkt – ein kleiner Schritt mit großer Wirkung.

Dieses CARE-Projekt wird von der Europäischen Union und der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit im Rahmen von International Partnerships Austria finanziert.

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