"Wir haben
nichts zu essen"

Wenn nichts übrig bleibt: Aishas Kampf ums Überleben

Shukri (1 J. alt) umklammert ihren Trinkbecher. In Rot steht darauf „Baby“. Es ist Nachmittag, es ist das erste Wasser, das die Kleine heute trinkt. Ihre Mutter Aisha (35) schaut zu und trinkt nichts. Das Wasser hat sie auf Kredit gekauft, nachdem bei Nachbar:innen kein Tropfen mehr zu finden war.

„Heute haben wir noch nichts gegessen oder getrunken. Zu Hause haben wir weder Nahrung noch Wasser“, sagt Aisha. Im Vertriebenencamp bei Dhahar im Norden Somalias peitscht der Wind Sand in Augen und Münder. Die Kinder stemmen sich gegen Böen, werden von ihnen umgeworfen. Es stehen keine Bäume, keine Büsche oder Mauern. Nichts bremst die Wucht des Windes. Es gibt nur Sand, Steine und trockene Erde. 

Aisha lebt hier mit etwa 30 vertriebenen Familien. Der größte Teil des Camps besteht aus Wellblechplatten, Stöcken und zerrissenem Stoff über Notunterkünften. Der Wind dringt überall ein. Er zerrt am Unterschlupf, schleudert Dinge über den Boden und raubt den Familien den wenigen Schutz, den sie haben.

„Die Hälfte der Woche kein Essen“

Seit drei Wochen ist die Hauptwasserquelle der Gegend versiegt. Tanklaster verkaufen Wasser, das sich kaum jemand leisten kann. Jeder Kanister (0,20 US-Dollar) ist eine neue Zeile im Schuldenbuch des Ladenbesitzers.

Aishas drei Söhne (11, 9 und 7) putzen in der Stadt Schuhe. Das bringt zehn Cent pro Paar. „Alle Jungen arbeiten hier. Es gibt keine andere Möglichkeit, wenn wir überleben wollen“, sagt Aisha. Manchmal verdienen sie genug, um Reis und ein paar Tomaten zu kaufen. Manchmal kehren sie mit leeren Händen nach Hause zurück. „An drei oder vier Tagen in der Woche essen wir überhaupt nichts.“

Die Kinder fragen nach Essen, dann schlafen sie vor Erschöpfung ein. Aisha sorgt allein für ihre Familie. Wenn es Essen gibt, isst sie zuletzt. „Manchmal bleibt nichts mehr übrig, aber die Kinder sind wichtiger als ich.“

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Aishas Tochter Shukri (1 Jahr alt). Foto: Sarah Easter/CARE

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Aisha muss Wasser auf Kredit kaufen. Foto: Sarah Easter/CARE

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Eine Gesundheitshelferin von CARE untersucht Shukri. Foto: Sarah Easter/CARE

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Aisha trägt Shukri etwa vier Kilometer zur Gesundheitsstation von CARE. Foto: Sarah Easter/CARE

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Bei der Untersuchung wird festgestellt, dass Shukri unterernährt ist. Foto: Sarah Easter/CARE

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Shukri bekommt von CARE Aufbaunahrung. Foto: Sarah Easter/CARE

Bei einem Besuch der CARE-Gesundheitshelferin Saytuun zeigt das Maßband bei Shukri schwere akute Unterernährung an. Sie wiegt 5,9 Kilogramm und hat Fieber und Husten. Aisha trägt sie vier Kilometer nach Dhahar, das Kind unter der Abaya (Umhang) vor dem Wind und Sand geschützt. Dort bekommt Shukri in einem Gesundheitszentrum von CARE Behandlung und die Aufbaunahrung Plumpy’Nut. Aisha erhält endlich eine Flasche Wasser.

In ganz Somalia leiden schätzungsweise 6,5 Millionen Menschen unter akutem Hunger. Dürre, Konflikte und wirtschaftliche Not verschlimmern die Lage. Kürzungen der humanitären Hilfe führen nun dazu, dass viele Kliniken schließen müssen und auch sonst weniger Hilfsleistungen angeboten werden können.

Für Familien wie die von Aisha sind diese Kürzungen keine abstrakte Haushaltsentscheidung. Das Gesundheitszentrum von CARE, in dem Shukri behandelt wird, ist das einzige, wo Aisha Hilfe finden kann. Doch es muss wegen Kürzungen bald schließen, wie neun weitere in der Region. „Dieser Tag wird unser dunkelster Tag sein!“, sagt Aisha.

Dann bleibt im Camp für Vertriebene wieder nur das Warten: auf Regen, auf Arbeit, auf Wasser, auf Essen.

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