"Unsere Namen
schreiben wir
in Sand"

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Halima (10) und Sumaya (11) schuften im Haushalt, wenn andere Kinder in die Schule gehen. Sie putzen, kochen und holen Wasser, anstatt im Unterricht zu sitzen. Sie stemmen sich gegen den Wind, der hier im Norden Somalias über die Sanddünen fegt. Hier gibt es weder Bäume noch Sträucher. Sand erstreckt sich in alle Richtungen. Wenn der Wind auffrischt, wird es schwierig, überhaupt noch etwas zu sehen. Kleinere und größere Sandwirbel steigen hoch in den Himmel. Dann lichtet sich der Sandnebel manchmal für einen Moment, und in der Ferne tauchen ein paar Hütten auf.

Kein Geld für die Schule

Hier leben die Schwestern mit ihrer Großmutter und jüngeren Geschwistern. Es ist eine Siedlung für vertriebene Familien nahe Badhan. Unter ihnen sind viele ehemalige Viehhirt:innen, die wegen der Dürre ihr Zuhause und ihr Einkommen verloren haben.

„Wir haben weder Bleistifte noch Papier. Deshalb schreiben wir mit Stöcken. Am liebsten schreibe ich meinen Namen in den Sand“, sagt die 10-jährige Halima leise. In der Siedlung gibt es eine Schule, doch dafür fehlt vielen Geflüchteten das Geld. „Ich kann sie nicht zur Schule schicken, weil wir nicht einmal genug Geld haben, um jeden Tag Essen zu kaufen“, sagt ihre Großmutter Koos (70).

Die Mädchen brachten sich Lesen und Schreiben selbst bei, indem sie anderen Kindern bei den Hausaufgaben zusahen. Wenn sie nicht arbeiten müssen, lernen die Mädchen so viel sie können.

Koos ist zu alt und krank, um sich noch selbst um den Haushalt zu kümmern. Sie leidet an Typhus, kann sich aber keinen Arztbesuch oder Medikamente leisten. Seit CARE die Unterstützung der Gesundheitszentren wegen Mittelkürzungen einstellen musste, kostet jede Behandlung Geld.

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Sumaya (l.) mit ihrer Großmutter Koos und ihrer Schwester Halima. Foto: Sarah Easter/CARE

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Sumaya schöpft Wasser und füllt es in Kanister. Foto: Sarah Easter/CARE

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Den schweren Kanister rollt sie zurück zur Hütte. Foto: Sarah Easter/CARE

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Halima (10) würde sehr gerne in die Schule gehen. Foto: Sarah Easter/CARE

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Sumaya (11) arbeitet hart jeden Tag. Foto: Sarah Easter/CARE

Der Sohn von Koos, einst Landwirt, zieht nun auf Arbeitssuche von Stadt zu Stadt. „Das letzte Mal, dass er Bargeld brachte, ist drei Monate her“, sagt Koos. Die Familie kauft Essen auf Kredit – sie hat inzwischen über 160 US-Dollar Schulden. Für Nahrungsmittel müssen sie etwa fünf US-Dollar pro Tag aufwenden. Auch Wasser wird knapper und teurer.

Die Familie ist darauf angewiesen, dass Verwandte und Nachbar:innen ihnen von dem abgeben, was sie haben. Mehr gibt es nicht. Koos und die Mädchen leben in einer fast leeren Unterkunft. Ein paar Matten liegen auf dem Boden. Am Eingang stehen fünf Paar Flip-Flops. In einer dunklen Ecke steht ein blaues Wasserfass.

Sand und Sturm nehmen den Atem

Draußen heult der Wind unaufhörlich. Er ist im Laufe der Jahre stärker geworden. In diesem Jahr ist es schlimmer als je zuvor. Für die Mädchen ist es gefährlich, wenn sie zum Markt gehen. „Wir haben mit dem Wind zu kämpfen. Unsere Unterkunft könnte jeden Tag zerstört werden. Auch für die Kinder ist es sehr schwer, ins Dorf zu gehen. Sie werden oft umgestoßen und verletzen sich“, sagt Koos. Der Sand und Staub erschweren das Atmen. Familien berichten von Asthma und zunehmenden chronischen Lungenproblemen.

„Am meisten mache ich mir aber Sorgen um das Essen. Es wird von Tag zu Tag schwieriger, Nahrung für uns zu finden“, sagt Koos. 2024 erhielt die Familie drei Monate lang Bargeldhilfe von CARE. „Das war die einzige Zeit, in der wir nicht jeden Tag Angst vor dem nächsten Hunger hatten“, erinnert sich Koos.

Jetzt ist das Geld weg. Die finanzielle Unterstützung ist weg. Die medizinische Versorgung wurde eingestellt. Und die Dürre hält an. Der Schulbesuch ist unerschwinglich. Und Sumaya und Halima sehen zu, wie andere Kinder Lesen und Schreiben lernen. Der Sand der Wüste bleibt Halimas und Sumayas einziges Notizbuch.

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