Syrien: Gesellschaftliche Normen durchbrechen

In einem kleinen Raum eines Flüchtlingslagers in Nordwest-Syrien hilft Sozialarbeiterin Mira jungen Frauen, sich von gesellschaftlichen Normen zu lösen.
„In unserer Region ist geschlechtsspezifische Gewalt nach wie vor weit verbreitet, was auf Sitten und Gebräuche zurückzuführen ist, die gewalttätiges Verhalten verstärken“, erklärt sie. In ihren Kursen lernen Mädchen, Missbrauch in all seinen Formen zu erkennen – von verbaler bis zu körperlicher Gewalt. Für viele ist das eine lebensverändernde Erfahrung.

„Ich fühle mich wirklich gut, weil wir gelernt haben, wie wir uns schützen und sexuelle Ausbeutung vermeiden können“, sagt Rada, eine 12-jährige Teilnehmerin. Ihre Mitschülerin Hannah ergänzt: „Ich habe gelernt, was verbale, körperliche, emotionale und sexuelle Gewalt ist. Jetzt weiß ich, dass der Entzug von Ressourcen auch eine Form von Gewalt ist.“

Überwindung von Scham

Viele Mädchen in Miras Sitzungen haben gelernt, über ihre Erlebnisse zu sprechen – keine Selbstverständlichkeit. „Frauen schämen sich oft sehr, ihre Erfahrungen zu teilen“, betont Mira. „Man hat ihnen beigebracht, dass keine Familiengeheimnisse verraten werden dürfen. Doch je länger sie dabei sind, desto mehr öffnen sie sich.“

Die Geschichte einer jungen Frau, die sich nach einer erzwungenen Heirat und Scheidung in einer verzweifelten Lage befand, bleibt Mira besonders in Erinnerung: „Ihre Familie wollte sie nicht aufnehmen, und einige Verwandte versuchten sogar, sie zu ihrem Mann zurückzuschicken. Sie nahm an unseren Sitzungen teil, kehrte später zur Schule zurück und bedankte sich bei mir. Heute steht sie fest im Leben.“

Willenskraft als wichtigstes Werkzeug

Neben der Unterstützung für Mädchen und Frauen richtet sich das Projekt auch an Buben und Männer. „Wir alle müssen verstehen, welchen Schaden Gewalt anrichtet, um sie wirklich bekämpfen zu können“, sagt Mira. „Das wichtigste Werkzeug der Frauen ist ihre Willenskraft, denn die sozialen Herausforderungen in Syrien sind sehr groß.“

Miras Arbeit ist Teil eines von der Europäischen Union finanzierten Projekts, das CARE gemeinsam mit der lokalen Partnerorganisation Shafak durchführt. Ziel ist es, geschlechtsspezifische Gewalt zu bekämpfen und neue Perspektiven für die nächste Generation zu schaffen.

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