Zuhause zwischen Landminen

Überall in der Stadt tollen Kinder herum. Sie fahren mit ihren Fahrrädern durch die Straßen oder springen beim Spielen über die Trümmer zerstörter Häuser. Sicherheit gibt es für sie nicht. In ganz Syrien sind schon viele Kinder gestorben, weil sie auf Landminen oder Sprengstoff getreten sind.

Zalloukh (16) kennt die Gefahren von Minen und Blindgängern. Vor wenigen Monaten kehrte sie in ihre syrische Heimatstadt zurück. Im Alter von zwei Jahren war sie mit ihrer Familie von hier geflohen. Sie wuchs in einem Zelt in einem Camp für Geflüchtete auf. „Ich habe ständig Angst. Es gibt so viel Sprengstoff, Landminen und Tunnel“, sagt Zalloukh. „Was ist, wenn ich auf dem Weg zur Schule auf etwas trete?“

Sie fürchtet, dass der Krieg wieder ausbrechen könnte. Doch auch ohne Kämpfe ist das Leben in Syrien hart und oft gefährlich. „Ich lebe jetzt im Haus meines Großvaters. Es ist beschädigt. Die Fenster und Türen sind kaputt. Wir haben nur einen Raum repariert bisher, in dem jetzt unsere ganze Familie zusammenlebt“, sagt Zalloukh. „Zumindest steht das Haus noch. Ich habe Freund:innen, die in halb eingestürzten Häusern leben, denen die Wände und das Dach fehlen. Aber es ist trotzdem schwierig für uns.“ Der Strom fällt oft aus, es gibt nicht ausreichend Wasser und zumeist auch keine Heizung.

Im Gemeindezentrum der CARE-Partnerorganisation Shafak heizt ein kleiner Ofen. In seiner Nähe ist der beste Platz. Auch Zalloukh sitzt am liebsten direkt neben der Heizung. Die Kinder und Jugendlichen, die an einem Workshop teilnehmen, wechseln sich ab, damit sich alle einmal aufwärmen können.

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Zalloukh (16) kehrte in ihre syrische Heimatstadt zurück, die großteils in Trümmern liegt. Foto: Sarah Easter/CARE

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Im Gemeindezentrum einer Partnerorganisation von CARE ist der beste Platz direkt neben dem Ofen. Die Kinder und Jugendlichen wärmen sich hier abwechselnd auf. Foto: Sarah Easter/CARE

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Zalloukh konnte im Lager für Geflüchtete zuletzt keinen Unterricht besuchen. Jetzt versucht sie, den Schulabschluss nachzuholen. Foto: Sarah Easter/CARE

„Als ich noch im Camp lebte, musste ich arbeiten. Meine Eltern konnten nicht genug Arbeit finden, um uns zu ernähren, also half ich auf den Feldern. Aber ich habe so viel Unterricht verpasst, dass ich im neunten Schuljahr nicht bestanden habe“, berichtet Zalloukh.

Jetzt geht sie wieder in die Schule, doch es fehlen ihr für manche Fächer die Bücher. Sie lernt mit vier Geschwistern im einzigen Raum des Hauses. Sie sitzt am Boden in der Kälte. Zalloukhs Traum ist, Anwältin zu werden. „Wie soll ich ihn verwirklichen, wenn ich jeden Tag Angst habe?“ Sie wünscht sich, eines Tages in einem Haus zu leben, das nicht kaputt ist. „Ich hätte gerne ein Zimmer für mich allein, vielleicht sogar mit einem eigenen Schreibtisch, an dem ich lernen kann.“

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Mufieda (72) ist aus der Türkei nach Syrien zurückgekehrt. Foto: Sarah Easter/CARE

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CARE hat mit der EU die Wasserversorgung verbessert. Jetzt hat Mufieda alle vier Tage Trinkwasser. Foto: Sarah Easter/CARE

Mufieda (72) ist vor einigen Monaten aus der Türkei nach Syrien zurückgekehrt. Ihr Haus steht noch. „Ich habe Glück, obwohl alles gestohlen wurde – sogar die Wasserhähne im Badezimmer, die Türen und die Fensterrahmen.“ Wenigstens hat sie wieder Wasser. Mit Unterstützung von CARE und der Partnerorganisation IYD sowie mit Mitteln der Europäischen Union wurden ein Bohrloch und eine Wasserpumpe saniert. Jetzt haben 24.000 Menschen Zugang zu Wasser. Mufieda kann alle vier Tage den Wasserhahn aufdrehen und erhält dann Trinkwasser.

Mufieda lebt von der Unterstützung, die ihr einer ihrer Söhne schickt. Er hat ein wöchentliches Einkommen von etwa 10 US-Dollar. Ihr zweiter Sohn hat kürzlich seinen Job verloren. „Ich glaube nicht, dass Syrien schon bereit ist für die Rückkehr von allen. Wir leben jetzt in Armut und ständiger Angst, wie wir den nächsten Tag überstehen sollen.“

Trotz aller Schwierigkeiten ist Mufieda froh, wieder in ihrem Zuhause zu sein. „Ich möchte nicht mehr in den Häusern anderer Leute oder in Camps leben.“

CARE leistet mit Unterstützung der Europäischen Union Nothilfe in Syrien. Lesen Sie hier mehr.

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