Syrien: „Wir können es uns nicht leisten, Wasser zu kaufen“

Zwölf Jahre Krieg in Syrien haben Farah* (41) gelehrt, nichts für selbstverständlich zu halten. Nicht ihre Gesundheit, nicht ihre Familie und vor allem nicht das Dach über ihrem Kopf.

Vor dem Krieg lebten Farah und ihr Mann ein gutes Leben. Sie hatten ein eigenes Haus auf einem Bauernhof und führten ein kleines Lebensmittelgeschäft. Vor etwa dreieinhalb Jahren wurde das Paar mit ihren fünf Kinder gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben. „Wir haben viel verloren: unser Haus, unsere Verwandten und unsere Nachbarn. Wir zogen an einen sicheren Ort, aber mein Mann hatte nun keine Arbeit mehr“, erzählt Farah.

Die Familie zog in eine Wohnung am Rande ihrer neuen Stadt. Farahs Mann fand eine Beschäftigung als Hilfsarbeiter und die Familie begann, sich einzurichten. Nach den verheerenden Erdbeben vom 6. Februar wurden Farah und ihre Familie erneut obdachlos. „In der Nacht des Erdbebens wachten wir erschrocken auf. Es hörte sich an wie das Dröhnen von Flugzeugen und Bombenangriffen. Es brachte all die schrecklichen Erinnerungen an die Zeit zurück, als unsere Heimatstadt bombardiert wurde“, berichtet Farah.

Das erste Erdbeben zerstörte die gesamte rechte Seite des vierstöckigen Gebäudes, in dem Farahs Wohnung lag. „Nach dem Erdbeben konnten wir die Tür nicht mehr öffnen. Irgendwie schafften wir es, das Haus zu verlassen. Zum Glück war der Teil, der einstürzte, unbewohnt, sodass es keine Toten oder Verletzten gab.“

Die Familie wurde nicht verletzt, doch der Schock blieb, vor allem bei Farahs jüngeren Kindern. „Unser Gebäude liegt neben einer Zeltsiedlung für Familien, die durch den Konflikt vertrieben wurden. Eine dieser Familien ist nach Hause zurückgekehrt. Wir haben uns ihr Zelt ausgeliehen, weil unser Haus nicht sicher genug ist, um darin zu leben. Wir machen uns Sorgen, dass uns das Dach auf den Kopf fallen könnte. Aber wir machen uns auch Sorgen, dass die Familie, deren Zelt wir uns ausgeliehen haben, zurückkommen wird. Und ich weiß nicht, wohin wir dann gehen werden.“

Die Erdbeben haben im Nordwesten Syriens weitestgehend die Wasser- und Abwassernetze zerstört. Tausende vertriebene Familien sind der Gefahr von Krankheiten wie Cholera ausgesetzt. Gemeinsam mit Partnerorganisationen sorgt CARE dafür, dass Familien wie Farah Zugang zu sauberem Wasser haben.

Tagsüber nutzen Farah und ihre Familie nun die Küche und das Bad in ihrer beschädigten Wohnung. Nachts schlafen sie in dem geliehenen Zelt. Trotz all ihrer Probleme und der Verwüstung durch das Erdbeben ist Farah dankbar, dass ihre Familie ununterbrochen Zugang zu sauberem Trinkwasser hat.

„Wir können es uns nicht leisten, Wasser zu kaufen, aber durch diese Unterstützung bekommen wir weiterhin sauberes, steriles Wasser. Ich habe dem Team gesagt, dass ich sowohl in meinem Haus als auch im Zelt Wasser brauche, also füllen sie die Tanks hier und dort auf“, sagt Farah.

Mit Unterstützung der Europäischen Union sichert CARE im Nordwesten Syriens den Zugang zu sauberem Trinkwasser, installiert Wassertanks, saniert Wassertürme, baut Latrinen, stellt Abwassersysteme wieder her und liefert unter anderem Seife und andere Hygieneartikel. Außerdem unterstützt CARE Familien wie die von Farah mit Bargeld, damit sie wieder auf die Beine kommen.

*Name wurde zum Schutz der Privatsphäre geändert.

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