Kamar Al Ohlawi (27) ist ausgebildete Hebamme. Sie war im Alter von 17 Jahren vor dem Krieg in Syrien in die Türkei geflüchtet. Hier hat sie ihren Schulabschluss gemacht und Geburtshilfe an der Universität studiert. Dafür musste sie erst Türkisch lernen. „Zuerst war es sehr hart für mich, aber dann wurden meine Sprachkenntnisse besser. Ich habe die vier Jahre Ausbildung an der Uni sehr gut absolviert.“
Trotz ihrer Ausbildung kann Kamar nicht an einem öffentlichen Krankenhaus arbeiten. Dafür bräuchte die Syrerin die türkische Staatsbürgerschaft. Sie hofft nun auf eine Stelle an einem privaten Krankenhaus.
Kamar engagiert sich ehrenamtlich für die Gesundheitsaufklärung syrischer Frauen in einem Projekt von CARE, das von der Europäischen Union unterstützt wird. CARE berät in Adana Geflüchtete aus Syrien. Oft fehlen ihnen die Sprachkenntnisse und Informationen, um zu ihrem Recht zu kommen. Viele besitzen z.B. kein gültiges Ausweisdokument der Migrationsbehörde, das ihren Schutzstatus bestätigt, einige sind überhaupt nicht registriert. Die Folge ist, dass ihnen Gesundheitsversorgung oder Bildung für ihre Kinder verwehrt bleiben.
Rechtliche Unsicherheit, wirtschaftliche Schwierigkeiten und schlechte Wohnbedingungen führen dazu, dass syrische Geflüchtete anfällig für Ausbeutung und Ausgrenzung werden. Gewalt gegen Frauen sowie Kinderarbeitund Kinderheirat sind weit verbreitet. Familien aus Syrien brauchen Unterstützung, die sie in diesem Projekt finden.
Hebamme Kamar hat eine Website auf Arabisch erstellt, die hilfreiches Wissen für Schwangere bereit stellt. Foto: Özge Sebzeci für CARE
"Ich bin Hebamme, aber ich kann auch digitales Marketing betreiben", sagt Kamar. Foto: Özge Sebzeci für CARE
Die Website auf Arabisch vermittelt wichtiges Wissen in der Schwangerschaft. Foto: Özge Sebzeci für CARE
Bei CARE ist Kamar als Freiwillige in der Beratung tätig. Inspiriert durch frühere Workshops von CARE, bei denen sie etwas über digitale Kommunikation lernte, entwickelte Kamar eine eigene arabische Website. Dort stellt sie Informationen zu Schwangerschaft, Geburt und Säuglingspflege bereit.
„Ich bin Hebamme, aber ich kann auch digitales Marketing betreiben. Also habe ich eine Website erstellt und baue sie weiter aus“, sagt Kamar. Die Website vermittelt, wie man Risikosymptome während der Schwangerschaft erkennt. Sie hilft Frauen zu wissen, wann sie eine Hebamme oder ärztliche Hilfe aufsuchen sollten. Die Seite ist auf Arabisch, kann aber übersetzt werden. „Ich möchte, dass sie alle arabischsprachigen Frauen erreicht, nicht nur Syrerinnen“, erklärt Kamar.
Ihre Zukunft sieht sie in der Türkei und nicht mehr in ihrem Heimatland Syrien. Ihre Mutter und ihre zwei Geschwister leben auch in der Türkei. Sie wollen bleiben, wenn Kamar in der Türkei Arbeit findet. Ihnen gefällt es hier und Kamar auch. „Wenn ich hier bleiben kann, werde ich das tun“, sagt sie. „Ich möchte wirklich gerne weiter mit CARE zusammenarbeiten.“