Über 80 Prozent der Gebäude im Gazastreifen sind zerstört oder beschädigt. Ein Großteil der Menschen wurde vertrieben – die meisten von ihnen mehrfach. Viele Familien suchen in überfüllten Notunterkünften, Zelten oder in Gebäuden, die kaum mehr als Ruinen sind, Zuflucht – ohne ausreichenden Zugang zu Nahrung, sauberem Wasser oder funktionierender Sanitärversorgung, ohne Schutz vor Kälte, Regen und Wind. Der Zusammenbruch der Gesundheits- und Abwassersysteme erhöht zudem das Risiko für den Ausbruch von Infektionskrankheiten, von denen mangelernährte Kinder und geschwächte Menschen besonders betroffen sind.
Auch im Westjordanland hat sich die Lage verschlechtert. Ein Anstieg von Gewalt, zusätzliche Kontrollpunkte und Straßensperren schränken die Bewegungsfreiheit der Menschen ein. Dies blockiert Lieferketten und hat den Verlust von Arbeitsplätzen zur Folge. Der wirtschaftliche Einbruch treibt Familien in die Armut, während Frauen und gefährdete Gruppen wie Menschen mit Behinderungen einem erhöhten Risiko von Gewalt und Ausgrenzung ausgesetzt sind.
Human Development Index (HDI)
0,674 - 133. von 193 inkludierten Ländern
CARE vor Ort
seit 1948 in den Palästinensischen Gebieten im Einsatz
Erreichte Personen
1.073.100, davon 55% Frauen und Mädchen (Stand: 2025)
Zahlen und Fakten zur Krise
3,6 Mio. Menschen
sind auf humanitäre Hilfe angewiesen und brauchen dringend Unterstützung.
1,9 Mio. Menschen
sind innerhalb des Gazastreifens auf der Flucht und haben ihr Zuhause verloren.
1,6 Mio. Kinder
sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen und haben nicht genug zu essen.
Unsere Arbeit in den Palästinensischen Gebieten
Wasser, Sanitär und Hygiene
Durch die Bereitstellung von Wasserkanistern und Entsalzungsanlagen, die Reparatur von Brunnen sowie den Bau von Latrinen sichert CARE den Zugang zu sauberem Wasser und beugt Krankheiten vor.
Foto: Installation einer Sanitäranlage im Gazastreifen, um den Hygienezustand zu verbessern
Medizinische Notversorgung
Um den Kollaps des Gesundheitssystems abzufedern, unterstützt CARE mobile Kliniken und lokale Gesundheitseinrichtungen mit lebensrettenden Medikamenten und medizinischen Verbrauchsgütern.
Foto: Mit der Messung des Umfangs des Oberarms wird der Ernährungszustand eines Kindes im Gazastreifen ermittelt
Verteilung von Nothilfe
CARE verteilt warme Kleidung, Decken, Nothilfepakete und speziell auf die Bedürfnisse von Frauen angepasste Hilfsgüter, um das Überleben in den provisorischen Notunterkünften zu sichern.
Foto: Mitarbeiterin einer Partnerorganisation verteilt lebenswichtige Hilfspakete an Familien in Not
Notunterkünfte und Schutz
Durch die Verteilung von Zelten und robusten Plastikplanen wird ein Mindestmaß an Privatsphäre und Schutz vor Witterung geschaffen; zusätzlich hilft CARE bei einfachen Reparaturen von beschädigten Gebäuden
Foto: Mädchen in einem Zelt im Gazastreifen
Wirtschaftliche Stärkung
In Kooperation mit lokalen Partnerorganisationen unterstützt CARE Frauen und Jugendliche mit Unternehmenszuschüssen, Schulungen und psychosozialer Beratung beim Aufbau einer wirtschaftlichen Lebensgrundlage.
Foto: Arwa erntet Gurken auf dem landwirtschaftlichen Betrieb ihrer Familie
Wie leistet CARE Nothilfe für die Zivilbevölkerung im Gazastreifen?
CARE arbeitet mit lokalen Partnern unter Hochdruck daran, die akute Not der vertriebenen Familien im Gazastreifen zu lindern. Ein zentraler Fokus liegt auf der Verteilung von lebensrettenden Gütern. Viele Menschen mussten ihre Häuser überstürzt verlassen und besitzen oft nicht mehr als die Kleidung, die sie am Körper tragen. CARE versorgt diese Familien mit dringend benötigten Decken und wetterfesten Planen, um sie vor Kälte und Regen zu schützen. Gleichzeitig arbeitet CARE daran, in den extrem überfüllten Sammelunterkünften ein Minimum an Privatsphäre und Würde aufrechtzuerhalten. So werden beispielsweise spezielle Nothilfe- und Hygienepakete ausgegeben, die besonders auf die Bedürfnisse von Frauen und Mädchen zugeschnitten sind.
Aufgrund des eingeschränkten Zugangs für humanitäre Hilfe setzt sich CARE auf internationaler Ebene beharrlich für den ungehinderten Zugang von Hilfsgütern ein. CARE fordert kontinuierlich die Einhaltung des humanitären Völkerrechts und den Schutz der Zivilbevölkerung, um eine Ausweitung der humanitären Katastrophe abzuwenden.
Wie unterstützt CARE den Zugang zu sauberem Wasser und Hygiene in den Palästinensischen Gebieten?
Der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist eine der größten Herausforderungen in der Region. Große Teile der Wasser- und Sanitärinfrastruktur sind zerstört. Viele Menschen sind gezwungen, verschmutztes Wasser zu trinken, was in Kombination mit den unzureichenden sanitären Verhältnissen zu einem Anstieg von Durchfallerkrankungen führt. Um dieser Bedrohung entgegenzuwirken, verfolgt CARE einen umfassenden WASH-Ansatz (Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene). Familien erhalten im Rahmen von Verteilungen sauberes Wasser. Neben der Anlieferung durch Wassertankwagen, stammt das Trinkwasser vor allem aus reparierten Entsalzungsanlagen, Grundwasserbrunnen und Wasserleitungen, die die Basisversorgung wiederherstellen.
Zusätzlich baut und saniert CARE Latrinen in den provisorischen Camps und schult die Menschen in deren Wartung. Der Aufbau von funktionierenden Abfallsystemen und die Aufklärung über bessere Hygienepraktiken sind entscheidend, um den Ausbruch und die Verbreitung von Epidemien im dicht besiedelten Gazastreifen effektiv einzudämmen.
Was tut CARE für den Schutz und die Gesundheitsversorgung von Frauen und Kindern vor Ort?
In Krisen- und Konfliktsituationen sind Frauen und Kinder unverhältnismäßig stark betroffen. Das psychologische Trauma durch den Verlust von Angehörigen, Fluchterfahrung und die ständige Bedrohung prägt die Menschen. Viele Mütter verzichten auf ihre eigenen ohnehin knappen Essensrationen, um ihre Kinder vor dem Verhungern zu bewahren. Der weitgehende Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung macht Schwangerschaften und Geburten zu einem gesundheitlichen Risiko.
CARE reagiert darauf mit gezielter medizinischer Unterstützung. Mobile Kliniken und primäre Gesundheitseinrichtungen werden mit wichtigen Medikamenten und medizinischen Bedarfsgütern ausgestattet. Zusätzlich legt CARE einen starken Fokus auf den physischen und psychischen Schutz. Frauen und Mädchen erhalten neben Hygieneartikeln auch Zugang zu psychosozialer Unterstützung. Diese Maßnahmen helfen den Betroffenen, mit extremen Stresssituationen besser umzugehen, und bieten einen geschützten Rahmen, um vertrauliche Hilfe bei geschlechtsspezifischer Gewalt in Anspruch nehmen zu können.
CARE Österreich verurteilt zutiefst den brutalen Terrorangriff auf Israel vom 7. Oktober sowie jegliche Gewalt gegen Zivilbevölkerungen. CARE begrüßt die Einstellung der Kampfhandlungen und fordert weiterhin die Einhaltung des humanitären Völkerrechts sowie den ungehinderten Zugang humanitärer Hilfe. Die Arbeit von CARE orientiert sich ausschließlich am humanitären Mandat und den Menschenrechten.
Unsere Projekte in den Palästinensischen Gebieten
Palästinensische Autonomiegebiete
Frauen und junge Menschen stärken
CARE Österreich arbeitet daran, die wirtschaftliche Situation für gefährdete Frauen und Jugendliche im Westjordanland zu verbessern und ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken.
Die 27-jährige Noura wartet in der Schlange vor einem CARE-Gesundheitszentrum, um ihr elf Monate altes Kleinkind auf Mangelernährung untersuchen zu lassen. Der Bub hat bereits einige Entwicklungsschritte wie Krabbeln und Zahnen verpasst. „Ich kann ihn kaum stillen, meine Milch ist fast versiegt, weil ich selbst nicht genug esse“, sagt Noura. Jeden Morgen macht sich Noura zu Fuß auf den Weg, um günstiges Mehl zu finden, damit sie Brot für die Kinder backen kann. Bis sie wieder nach Hause zurückkehrt, ist die Frühstückszeit längst vorbei. Sie beginnt dann mit der Zubereitung der ersten Mahlzeit des Tages. Es gibt Hülsenfrüchte, Erbsen oder Reis, doch von allem viel zu wenig, um satt zu werden. Gelegentlich kauft sie ein oder zwei Tomaten, wenn die Preise sinken, um der Ernährung ihrer Kinder einige Nährstoffe hinzuzufügen.
„Es gibt keine Nahrung, uns geht es wie allen anderen: Wenn es Essen gibt, kaufen wir es, aber es gibt kaum etwas“, sagt Noura. „Wir bekommen keine Eier oder Milch, Gemüse ist sehr teuer, und es gibt kaum mehr Konserven zu kaufen.“ Im Krieg ist der Hunger ein ständiger Begleiter geworden. Die Kinder zu versorgen, wird von Tag zu Tag schwieriger. Die meisten Familien in Gaza können sich nicht einmal einen kleinen Sack Mehl leisten, um Brot für ihre hungrigen Kinder zu backen. Die meisten Menschen haben ihre Häuser und ihre Lebensgrundlagen verloren.
"Mein Sohn sollte eigentlich Babynahrung trinken, aber es gibt keine. Ich gebe ihm eine leere Flasche nur zur Ablenkung."
Hassan Arjawi ist Arzt am Medizinischen Zentrum Jericho in den Palästinensischen Gebieten. In einer Schulung in einem CARE-Projekt erwarb er wertvolles Wissen für Notsituationen.
Wir stellen die lebenswichtige Versorgung der Menschen mit sauberem Wasser wieder her, die vielerorts zerstört werden. Dazu verteilen wir Wasser und rehabilitieren unteranderem Brunnen und Entsalzungsanlagen.
Material für temporäre Notunterkünfte für vertriebene Menschen
Wir versorgen die Bevölkerung mit dringend benötigten Materialien für die Errichtung temporärer Unterkünfte und verteilen zu diesem Zweck Matratzen, Decken und Planen - ein Minimum an Schutz und Würde.
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