Stanislavs brennender Garten

Vom Zuhause von Stanislav und Katerina sind nur Erinnerungen geblieben – und Trümmer und Asche. Das große Haus war von viel Grün umgeben. „Wir hatten einen blühenden Garten und viele Blumen wie Rosen in verschiedenen Farben. Und Bäume, ich hatte so viele schöne Bäume“, erzählt Katerina (74). „Wir hatten unsere Hühner und sammelten ihre Eier.“

Katerina verließ das Haus in Huliaipole nach einem Treffer, der es zum Teil in Brand setzte. Die kleine Stadt, die vor dem Krieg 12.000 Bewohner:innen zählte, liegt an der Frontlinie. Stanislaw (81) wollte das Haus schützen. „Ich dachte, meine Anwesenheit könnte es retten. Also blieb ich noch sechs Monate lang in dem halb zerstörten Haus“, berichtet er.

Stanislav überlebte in Huliaipole dank humanitärer Hilfe, während täglich Explosionen die Stadt erschütterten. „Ich legte mich auf den Boden, wenn die Einschläge näherkamen“, sagt er. Dann kam der Tag, an dem eine Rakete das Haus direkt traf und es in Brand setzte. Das Dach stürzte ein und begrub Stanislav. „Unter den Trümmern war es so dunkel, und ich brannte bei lebendigem Leibe. Ich trug Winterstiefel, und die Sohlen schmolzen.“

Trotz seiner schweren Verletzungen schaffte es Stanislav ins Freie. „Ich rollte mich aus dem Schutt und sah zu, wie mein Haus und mein Garten brannten.“ Im Krankenhaus traf er Katerina wieder. Sie zogen in eine Notunterkunft in einem früheren Wohnheim für Studierende in Saporischschja im Südosten der Ukraine. Der Krieg folgte ihnen.

Eine Bombe explodierte in umittelbarer Nähe des Wohnheims. Ein Regen aus Splittern aus Glas und Metall ging nieder. Bomben werden mit Metallstücken versetzt. Diese Splitter fliegen bei der Detonation mit hoher Geschwindigkeit. Sie richten Schaden an, indem sie alles durchschlagen: Wände, Türen, Fenster.

„Es geschah in der Nacht. Wir schliefen. Zuerst hörten wir die Explosion. Dann die Schreie unserer Nachbar:innen. Ich überprüfte zuerst mich selbst: Ich war noch am Leben“, sagt Katerina. Alle 250 Menschen im Haus überlebten. Aber das Gebäude war zerfetzt. Staub und Rauch füllten die Gänge. Auf dem Foto rechts ist der Zustand nach dem Einschlag zu sehen.

Die CARE-Partnerorganisation CFSSS ersetzte die Fenster mit Unterstützung des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.  Die zerstörten Sanitärräume wurden mit „Nachbar in Not“ repariert.

Doch die Spuren bleiben. Im Schlafsaal sind Löcher in den Decken, Wänden und Möbeln zu sehen, wo Granatsplitter einschlugen. Zerbrochenes Glas glitzert auf dem Boden. Die rote Metalltür von Stanislav und Katerina weist zwei Einschusslöcher auf. Bei dem Angriff gingen über hundert Fenster zu Bruch. „Es war dunkel und kalt, aber wir waren froh, dass wir noch am Leben waren und ein Dach über dem Kopf hatten“, sagt Katerina.

Kurz vor elf Uhr wirkt Katerina angespannt und bricht auf, um zu einer Verteilung von Lebensmitteln zu gehen. „Wir können sonst nicht überleben. Ich muss pünktlich sein.“

UkraineStudentenheim

Eine Partnerorganisation von CARE ersetzte die zerborstenen Fenster. Foto: Sarah Easter/CARE

UkraineStudentenheimBad

Mit der Hilfe von "Nachbar in Not" wurden die zerstörten Waschräume repariert. Foto: Sarah Easter/CARE

Bevor Katerina aus dem Haus eilt, hält sie kurz inne. „Danke, dass Sie uns nicht vergessen haben! Danke, dass die Welt uns hilft! Danke, dass Sie sich um uns sorgen!“ sagt sie.

CARE leistet in der Ukraine in mehreren Projekten Nothilfe. Lesen Sie hier mehr:

Unterstützung für Frauen und Mädchen

Nothilfe an der Front

Lebensrettende Nothilfe

Hilfe für die Menschen in der Ukraine ist ihnen wichtig?

Dann unterstützen Sie den Einsatz von CARE mit einer Spende!

Spenden Sie jetzt!

Zurück nach oben