Wie CARE weltweit gegen Hunger und für gesunde Ernährung kämpft
Hunger ist eine der größten globalen Herausforderungen unserer Zeit. Alle vier Sekunden stirbt ein Mensch an den Folgen von Mangelernährung. Die Situation verschärft sich durch zunehmende Konflikte, die Klimakrise und steigende Lebensmittelpreise. In vielen Regionen der Welt verlieren Menschen ihre Existenzgrundlage, während gleichzeitig ein Drittel aller produzierten Lebensmittel verschwendet wird. Dabei produziert die Welt genug Nahrung für alle – das Problem ist die ungleiche Verteilung und der mangelnde Zugang zu Ressourcen.
Besonders dramatisch ist die Situation für Kinder: Mangelernährung in den ersten Lebensjahren kann zu bleibenden körperlichen und geistigen Entwicklungsstörungen führen. Rund 150 Mio. Kinder unter fünf Jahren sind von Wachstumsverzögerungen betroffen. Aber auch ältere Kinder, die nicht genug zu essen bekommen, sind mit zahlreichen Problemen konfrontiert, etwa Konzentrationsschwäche in der Schule. Die Folgen von Hunger werden oft über Generationen weitergegeben. Am stärksten betroffen sind Menschen in ländlichen Gebieten, die von ihrer eigenen kleinen Landwirtschaft leben müssen. Wenn Ernten durch Dürren oder Überschwemmungen ausfallen, haben sie keine Alternativen. In Konfliktgebieten verschärft sich die Situation zusätzlich, wenn Märkte zusammenbrechen und Hilfslieferungen blockiert werden. Besonders alarmierend ist, dass die Zahl der hungernden Menschen nach jahrelangem Rückgang wieder steigt – ein deutliches Zeichen dafür, dass wir beim Kampf gegen den Hunger entschlossener vorgehen müssen.
Mangel- und Unterernährung:Unterernährung liegt vor, wenn der Körper insgesamt zu wenig Energie erhält, was zu Gewichtsverlust, Muskelabbau und zu Wachstumsstörungen führen kann. Mangelernährung bezeichnet dagegen eine unzureichende Versorgung mit wichtigen Nährstoffen wie Vitaminen oder Mineralstoffen. Sie kann auch dann auftreten, wenn zu viele Kalorien aufgenommen werden, etwa bei einer einseitigen Ernährung. Während Unterernährung also ein Energiedefizit beschreibt, meint Mangelernährung qualitative Defizite in der Nährstoffversorgung.
Unsere Maßnahmen im Überblick:
Rasche Nothilfe
Nahrungsmittelpakete und Bargeldhilfen müssen schnell eintreffen. Im Krisenfall erreichen wir die am stärksten gefährdeten Menschen und verhindern so die schlimmsten Auswirkungen.
Foto: Im Sudan leiden aktuell mehr als 25 Mio. Menschen Hunger. CARE hilft vor Ort.
Medizinische Versorgung
Unterernährung hat insbesondere für Kleinkinder gravierende Folgen. Mit mobilen Gesundheitsteams leisten wir rasche Hilfe, untersuchen Kinder und ihre Mütter, und verteilen etwa besonders kalorienreiche Erdnusspaste als Aufbaunahrung.
Foto: Im Jemen wird ein stark unterernährtes Kind medizinisch untersucht und danach bedarfsgerecht versorgt.
Nachhaltiger Anbau
Mittels Zugang zu neuen Technologien, Schulungen und widerstandsfähigem Saatgut helfen wir, Ernteerträge zu steigern. Damit können sich die Menschen besser gegen Wetterextreme wie Hitze und Dürre wappnen.
Foto: In Nepal unterstützen wir Kleinbäuer:innen bei der Anpassung an die sich verändernden klimatischen Bedingungen.
Krisenfeste Ernährung
CARE fördert lokale Märkte und nachhaltige Wertschöpfungsketten, um die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen zu erhöhen. Wir helfen beim Aufbau von Lagerungsräumen und unterstützen die Verarbeitung von Lebensmitteln.
Foto: Betty kann mit den Einkünften ihres Marktstandes auch ihre Kinder sicher ernähren. Sie erhielt im Projekt WAYREP in Uganda eine Förderung.
Bildung und Aufklärung
Wir bilden auf lokaler Ebene Ernährungsberater:innen aus, die Wissen über ausgewogene Ernährung weitergeben. Schwangere Frauen und Mütter werden in gesunder Zubereitung von Nahrung geschult.
Foto: Im Projekt JANO in Bangladesch erfahren junge Mütter mehr über gesunde Ernährung für Babys und Kleinkinder.
Neben der direkten Nahrungsmittelhilfe verfolgt CARE innovative und nachhaltige Strategien, um Hunger langfristig zu bekämpfen. Mit flexiblen Bargeldhilfen ermöglichen wir Familien, selbstbestimmt die für sie passenden Lebensmittel zu erwerben und lokale Märkte zu stärken. Unser ganzheitlicher Ansatz umfasst eine Vielzahl an ineinandergreifenden Maßnahmen: Mittels innovativer Bewässerungssysteme und dürreresistentem Saatgut unterstützen wir Kleinbauern und Kleinbäuerinnen dabei, trotz zunehmender Klimaextreme stabile Erträge zu erzielen. Gemeinsam mit lokalen Gemeinschaften setzen wir Frühwarnsysteme für Dürren und andere Klimakatastrophen ein, um rechtzeitig Gegenmaßnahmen einleiten zu können.
Über Spargruppen schaffen wir besonders für Frauen Zugang zu Krediten und Sparmöglichkeiten für landwirtschaftliche Investitionen. Wir begleiten Familien dabei, ihre Einkommensquellen breiter aufzustellen, damit sie weniger anfällig für Ernteausfälle sind und mehrere wirtschaftliche Standbeine haben. Durch verbesserte Lagertechniken reduzieren wir Verluste nach der Ernte. Diese Maßnahmen ergänzen sich gegenseitig und bilden ein Sicherheitsnetz, das Gemeinschaften dabei hilft, nicht nur kurzfristig Hunger zu überwinden, sondern auch langfristig widerstandsfähiger gegen Krisen zu werden.
„Ich kann mit Hunger besser umgehen. Meine Kinder müssen mehr essen als ich, also höre ich auf, obwohl ich den Schmerz des Hungers tief in meinem Magen spüre."
Unsere Ziele:
Schnelle Anpassung
Wir unterstützen den Aufbau klimafitter lokaler Ernährungssysteme durch Diversifizierung und verbesserte Anbaumethoden.
Fairer Zugang
Wir ermöglich bis 2030 75 Mio. Menschen weltweit, ihr Recht auf ausreichend Nahrung wahrnehmen zu können.
Gleiche Chancen
Wir stärken die Rechte von Frauen. Durch einen fairen Zugang zu Land, Krediten und Märkten kommen sie besser durch Krisen.
Projektteilnehmer:innen erzählen:
Tschad
„Wir sichern jetzt unsere Ernten“
Das Projekt PROSECA von CARE ermöglicht Kleinbauern wie Emil den Zugang zu neuen Anbaumethoden in der Landwirtschaft.
Frauen sind überproportional von Hunger betroffen, obwohl sie in vielen Regionen die Hauptverantwortung für die Nahrungsproduktion tragen. Gleichzeitig haben sie aber oft schlechteren Zugang zu Land und Ressourcen. Kredite und landwirtschaftliche Schulungen erreichen sie kaum, während sie zusätzlich die Hauptlast der Wasserversorgung und Brennholzbeschaffung tragen. Der Klimawandel macht all diese Verantwortlichkeiten noch schwerer. Dabei essen sie häufig zuletzt und am wenigsten, damit ihre Familien und Kinder genug haben.
CARE setzt deshalb gezielt bei der Stärkung von Frauen an: durch die Förderung von Landrechten, die Gründung von Spargruppen und Schulungen in verbesserten Anbaumethoden. Davon profitieren ganze Gemeinden, denn Frauen investieren ihr Einkommen überwiegend in die Ernährung und Bildung ihrer Kinder.
Foto: Frauen und ihre Kinder in Niger warten vor einer Klinik, um auf die Folgen von Unterernährung untersucht zu werden
Sustainable Development Goals:
Die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) sind Teil eines gemeinsamen weltweiten Plans zur Förderung von Frieden, Wohlstand, Gerechtigkeit und dem Schutz unseres Planeten – jetzt und in der Zukunft. Anhand einer Reihe von Indikatoren soll der Fortschritt bei der Realisierung dieser Visionen festgehalten werden. Auch CARE Österreich hat sich diesen 17 Zielen verschrieben und wir leisten mit unserer Arbeit einen wertvollen Beitrag zu ihrer Erreichung.
SDG 2 – Kein Hunger – ist darauf bedacht, den weltweiten Hunger zu beenden, Ernährungssicherheit sowie eine gesündere Ernährung zu erreichen und eine nachhaltige, klimaresistente Landwirtschaft zu fördern. Es gilt Familien in prekären Situationen durchgehenden Zugang zu sicheren, nährstoffreichen und ausreichenden Nahrungsmitteln zu ermöglichen. Ein besonderer Fokus muss dabei auf Kleinkinder, ältere Menschen sowie schwangere und stillende Frauen gelegt werden. Um das zu erreichen, gilt es entsprechende Maßnahmen in der Landwirtschaft und auf den Märkte für Nahrungsmittelrohstoffe zu setzen.
Weitere Fragen & Antworten:
Warum gibt es trotz ausreichender globaler Produktion noch Hunger?
Hunger ist meist nicht eine Frage der Verfügbarkeit, sondern des Zugangs zu Nahrung. Armut, Konflikte und ungerechte Verteilungssysteme verhindern, dass Menschen sich ausreichend ernähren können. Die Situation wird dadurch verschärft, dass ein Drittel aller produzierten Lebensmittel verloren geht oder verschwendet wird. Gleichzeitig führen Lebensmittelverschwendung und Spekulation mit Nahrungsmitteln zu steigenden Preisen. CARE setzt deshalb bei den strukturellen Ursachen an und stärkt lokale Ernährungssysteme. Wir setzen uns auch politisch für gerechtere Handelsbedingungen und eine nachhaltige Landwirtschaftspolitik ein.
Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Ernährungssicherheit aus?
Extreme Wetterereignisse, veränderte Regenzeiten und zunehmende Dürrenbedrohen die Existenz vieler Kleinbauernfamilien. Ernten fallen aus, Nutztiere verenden und fruchtbare Böden gehen verloren. In manchen Regionen führt der Klimawandel zu einem Rückgang der Ernteerträge von bis zu 50 Prozent. CARE unterstützt Gemeinden dabei, ihre Landwirtschaft anzupassen – etwa durch dürreresistentes Saatgut, wassersparende Bewässerung und verbesserte Anbaumethoden. Durch traditionelles Wissen in Kombination mit modernen Technologien helfen wir Bauernfamilien, sich an die veränderten Klimabedingungen anzupassen.
Wie hängen Hunger und Konflikte zusammen?
Konflikte sind eine der Hauptursachen für Hunger. Sie zerstören Infrastruktur, vertreiben Menschen von ihrem Land und unterbrechen Handelswege. Gleichzeitig kann Hunger auch Konflikte verschärfen, wenn Menschen um knappe Ressourcen konkurrieren. Besonders dramatisch ist die Situation in Ländern wie dem Südsudan oder Jemen, wo anhaltende Konflikte ganze Regionen von der Nahrungsversorgung abschneiden. CARE arbeitet deshalb auch in Krisengebieten und unterstützt den Wiederaufbau landwirtschaftlicher Strukturen nach Konflikten. Dabei ist die Einbindung lokaler Gemeinschaften und die Förderung des friedlichen Zusammenlebens ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit.
Was bedeutet nachhaltige Hungerbekämpfung?
Nachhaltige Hungerbekämpfung geht weit über Nahrungsmittelhilfe hinaus. Sie bedeutet, Menschen zu befähigen, sich langfristig selbst zu versorgen. Dazu gehören der Zugang zu Land und Wasser, angepasste Anbaumethoden, funktionierende Märkte und faire Preise. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Förderung lokaler Wertschöpfungsketten, die Arbeitsplätze schaffen und die regionale Wirtschaft stärken. Besonders wichtig ist die Stärkung von Frauen, die oft die Hauptverantwortung für die Ernährung ihrer Familien tragen. CARE setzt dabei auf einen ganzheitlichen Ansatz, der Bildung, Gesundheit und wirtschaftliche Entwicklung verbindet.
Hunger in Bangladesch
CARE arbeitet daran, die Unterernährung von Kindern unter fünf Jahren in Bangladesch zu senken. Im Schulunterreichten werden die Schüler:innen zu Gesundheit, Hygiene und gesunde Ernährung informiert.
Hunger in Syrien
Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung in Syrien sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Insbesondere die Kosten für Grundnahrungsmittel sind für viele Familien auf der Flucht schwer zu stemmen.
Unsere weltweiten Ernährungsprojekte:
Elfenbeinküste
Nachhaltige Ernährung in der Elfenbeinküste
CARE trägt mit einer Reihe von Maßnahmen zu einem resilienten, geschlechtergerechten und nachhaltigen Ernährungssystem in der Elfenbeinküste bei.
CARE Österreich unterstützt im Rahmen dieses Projekts Menschen in der Logone-Region im Tschad. Sie erlernen unteranderem effiziente landwirtschaftliche Techniken.
"Wenn es einem selber gut geht und man Menschen in Not helfen kann, dann muss man das einfach tun. Das sehe ich als meine Pflicht."
TV-Koch Alexander Kumptner ist Themenbotschafter für das CARE-Nahrungs-Paket. Gemeinsam machen wir uns für rasche Nothilfe für hungernde Familien und Kinder sowie langfristige Maßnahmen gegen Mangelernährung stark. So bekämpfen wir den globalen Hunger.