Wie CARE im Notfall Familien das Überleben sichert – weltweit, umfangreich und effektiv
Jährlich sind hunderte Millionen Menschen weltweit von Naturkatastrophen, bewaffneten Konflikten und humanitären Krisen betroffen. Insbesondere der Klimawandel trägt dazu bei, dass die Zahl stetig wachsen wird. Extreme Wetterereignisse wie Überschwemmungen, Dürren und Wirbelstürme nehmen in Häufigkeit und Intensität zu. Gleichzeitig verschärfen sich bewaffnete Konflikte und werden immer komplexer, oft mit gezielten Angriffen auf Zivilbevölkerungen und keine Aussicht auf baldige Entspannung. Die Folgen sind verheerend: Ernteausfälle führen zu Ernährungsunsicherheit, unterbrochene Schulbildung zu verlorenen Generationen, und zerstörte Infrastruktur zu gesellschaftlichen Rückschritten.
Besonders alarmierend ist, dass diese Katastrophen bestehende Ungleichheiten verstärken und die ärmsten Bevölkerungsgruppen am härtesten treffen – obwohl diese oft am wenigsten zur Entstehung globaler Krisen wie dem Klimawandel oder dem Ausbruch eines bewaffneten Konflikts beigetragen haben. Wenn Katastrophen einsetzen, verlieren Menschen in Sekunden ihr Zuhause, ihre Lebensgrundlage und nicht selten Angehörige. Es fehlt oft schlagartig an sauberem Wasser, Strom und medizinischer Versorgung. Rettungsmaßnahmen werden durch zerstörte Straßen und Kommunikationsnetze erschwert. Zudem steigt das Risiko für Krankheitsausbrüche und weitere Gefahren, etwa durch Nachbeben oder den Einsturz beschädigter Gebäude. In diesen Momenten ist schnelle und koordinierte Hilfe entscheidend für das Überleben und die langfristige Erholung der Gemeinschaften.
Die humanitären Prinzipien unserer Arbeit:
Unsere Hilfe wird an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet, Betroffene werden aktiv einbezogen. CARE kooperiert partnerschaftlich mit zahlreichen Akteuren, fördert Verantwortung und Transparenz und setzt sich für die Beseitigung von Diskriminierung ein. Gewaltfreie Konfliktlösungen und nachhaltige Ergebnisse stehen ebenso im Fokus. Als Mitunterzeichner eines internationalen Verhaltenskodexes für Nicht-Regierungsorganisationen haben wir uns auch international zur Einhaltung dieser Prinzipien verpflichtet.
Unsere Maßnahmen im Überblick:
Schnelle Intervention
CARE leistet innerhalb weniger Stunden bzw. Tage erste Nothilfemaßnahmen mit sauberem Wasser, Nahrung und Notunterkünften für betroffene Familien. Damit retten wir Leben und sichern die Würde der Menschen.
Foto: Im Libanon verteilen CARE-Mitarbeiter:innen sauberes Trinkwasser und Pakete an Vertriebene.
Medizinische Versorgung
Wir stellen mobile Gesundheitsteams bereit, die rasch auch in entlegene Gebiete gelangen und dort eine medizinische Grundversorgung ermöglichen und bei Bedarf psychosoziale Unterstützung leisten können.
Foto: Medizinisches Personal leistet im Folge eines Erdbebens in Myanmar rasche Hilfe für Verletzte.
Sichere Hygiene
CARE verteilt Hygiene-Kits und errichtet sanitäre Anlagen, um Krankheitsausbrüche zu verhindern. Bei all diesen Maßnahmen gehen wir äußerst geschlechtersensibel vor, da sich Frauen und Mädchen oft in einer für sie sehr vulnerablen Situation befinden.
Foto: In Syrien reparieren Mitarbeiter unserer Partnerorganisation die Wasserinfrastruktur und prüfen die Wasserqualität.
Langfristige Maßnahmen
Nach der akuten Nothilfe unterstützen wir den Wiederaufbau etwa mit Bargeldhilfen, Schulungsangeboten für den wirtschaftlichen Neuanfang und erhöhen so die Resilienz der betroffenen Bevölkerung.
Foto: Esra kann nach dem Erdbeben in Türkei wieder zurück in die Schule und träumt von ihrer Zukunft.
CARE verbindet in der Katastrophenhilfe drei entscheidende Phasen: Vorbereitung, Soforthilfe und nachhaltigen Wiederaufbau. Vor Katastrophen unterstützen wir Gemeinden mit Frühwarnsystemen, dem Bau stabilerer Unterkünfte und der Verteilung dürreresistenter Pflanzen – Maßnahmen, die Leben retten, wenn diverse Krisen eintreten. Im Fall der Fälle, ermöglichen es uns unsere lokalen Ressourcen, bedürftige Gemeinden schnell und effektiv zu unterstützen. CARE ist in vielen der am stärksten katastrophenanfälligen Ländern der Welt vertreten. Dadurch sind unsere Notfallexpert:innen schnell vor Ort. Zusätzlich stehen rund um die Uhr Spezialist:innen für Noteinsätze zur Verfügung, die sofort zum Ort der Katastrophe entsendet werden.
Doch echte Hilfe endet nicht mit der Verteilung von Hilfsgütern. CARE bleibt vor Ort, wenn die mediale Aufmerksamkeit längst nachgelassen hat. Wir helfen beim Wiederaufbau von Existenzen – sei es durch die Unterstützung bei der Wiedereröffnung kleiner Unternehmen oder durch psychosoziale Betreuung für traumatisierte Menschen. In komplexen Krisen koordinieren wir unsere Arbeit eng mit anderen Hilfsorganisationen, um Doppelgleisigkeiten zu vermeiden und sicherzustellen, dass niemand übersehen wird. Diese Kombination aus schneller Reaktion, lokaler Verankerung und langfristigem Engagement macht CAREs Katastrophenhilfe besonders wirksam und nachhaltig.
„Ich sehe, was wir bewirken. Das gibt mir Kraft. Und ja, es ist riskant, aber ich mache weiter, weil ich an meine Arbeit glaube.“
Unsere Ziele:
Innovative Ansätze
Neue Technologien wie Frühwarnsysteme ermöglichen, dass wir noch schneller noch mehr Menschen mit unserer Hilfe erreichen.
Lokale Kapazitäten
Wir arbeiten daran, unsere Ressourcen vor Ort sowie nationale und internationale Kooperationen weiter zu stärken.
Starke Frauen
Frauen müssen in Krisensituationen noch stärker in Entscheidungsprozesse miteinbezogen werden, damit ihre Stimmen gehört werden.
Projektteilnehmer:innen erzählen:
Myanmar
Rasche Nothilfe nach dem Erdbeben
Nach dem verheerenden Erdbeben in Südostasien ist CARE im Katastropheneinsatz und schickt Hilfe in die zerstörten Regionen in Myanmar.
CARE-Nothelfer Vural erlebte das Erdbeben von Februar 2023 in der Türkei auch als selbst Betroffener. Seitdem ist er im Einsatz für Menschen, die alles verloren haben.
Der Winter ist eine Zeit der Krankheit und Not. Kälte und Nässe dringen in die provisorischen Unterkünfte. CARE leistet mit der Unterstützung der EU vor Ort Winterhilfe.
In Katastrophen- und Krisensituationen sind Frauen und Mädchen überproportional gefährdet. Sie erleben häufiger geschlechtsspezifische Gewalt, haben eingeschränkten Zugang zu medizinischer Versorgung und tragen die Hauptlast der Betreuungsaufgaben. Während Katastrophen steigt die Rate von Kinderheiraten, sexueller Ausbeutung und Menschenhandel. Überfüllte Notunterkünfte, mangelnde Beleuchtung und fehlende separate Sanitäranlagen erhöhen diese Gefahr zusätzlich.
Zudem werden die besonderen Bedürfnisse von Frauen – wie Menstruationshygiene oder Schwangerschaftsvorsorge – in konventionellen Hilfsprogrammen oft übersehen. CARE setzt daher auf gendersensible Nothilfe: Sichere Räume für Frauen und Mädchen, spezielle Hygiene-Kits und gezielte Schutzmaßnahmen vor sexueller Gewalt. Wir fördern die aktive Beteiligung von Frauen in Entscheidungsprozessen der Katastrophenhilfe und stärken ihre Rolle beim Wiederaufbau.
Foto: Alice, CARE-Mitarbeiterin in der Demokratischen Republik Kongo, spricht im Rahmen einer Verteilung mit vertriebenen Frauen, um ihre spezifischen Bedürfnissen besser zu verstehen.
Sustainable Development Goals:
Die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) sind Teil eines gemeinsamen weltweiten Plans zur Förderung von Frieden, Wohlstand, Gerechtigkeit und dem Schutz unseres Planeten – jetzt und in der Zukunft. Anhand einer Reihe von Indikatoren soll der Fortschritt bei der Realisierung dieser Visionen festgehalten werden. Auch CARE Österreich hat sich diesen 17 Zielen verschrieben und wir leisten mit unserer Arbeit einen wertvollen Beitrag zu ihrer Erreichung.
SDG 11 – Nachhaltige Städte und Gemeinden – verfolgt das Ziel unser Zusammenleben inklusiver, sicherer, widerstandsfähiger und zukunftsorientiert zu gestalten. Dazu sollen im Katastrophen- und Krisenfall insbesondere menschliche Opfer, aber auch wirtschaftliche Schäden, durch gezielte Intervention reduziert werden. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf den Schutz der Armen und Menschen in prekären Situationen gelegt. Weiters wird die Forderung geäußert, dass politische Entscheidungsträger:innen umgehend Maßnahmen beschließen, die Widerstandsfähigkeit gegenüber Katastrophen zu erhöhen inklusive eines ganzheitlichen Risikomanagements auf allen Ebenen. Selbstverständlich nehmen auch andere SDGs Bezug auf Katastrophenfälle. SDG 13 etwa fordert, die Widerstandskraft und Anpassungsfähigkeit gegenüber klimabedingten Gefahren und Naturkatastrophen in allen Ländern zu stärken.
Weitere Fragen & Antworten:
Wie unterstützt CARE Menschen nach einer Katastrophe beim Wiederaufbau ihrer Existenz?
Nach der akuten Nothilfephase hilft CARE Menschen dabei, ihre Lebensgrundlage wiederherzustellen. Das geschieht oft durch direkte Bargeldtransfers, die es Betroffenen ermöglichen, selbst zu entscheiden, was sie am dringendsten benötigen. Wir unterstützen Kleinunternehmer:innen mit Mikrokrediten und Schulungen, um ihre Geschäfte wiederaufzubauen. Landwirt:innen stellen wir Saatgut, Werkzeuge und landwirtschaftliche Beratung zur Verfügung. Zudem helfen wir beim Wiederaufbau von Schulen, Gesundheitsstationen und Wasserversorgungssystemen – oft nach verbesserten, katastrophenresistenteren Standards. Psychosoziale Unterstützung hilft Menschen, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten und neue Perspektiven zu entwickeln.
Was unterscheidet die Katastrophenhilfe von CARE von anderen Organisationen?
CARE zeichnet sich durch einen ganzheitlichen Ansatz aus, der Soforthilfe mit langfristiger Entwicklungszusammenarbeit verbindet. Wir konzentrieren uns nicht nur auf die akute Phase, sondern bleiben oft jahrelang vor Ort, um den Wiederaufbau zu begleiten. Eine Besonderheit ist unser Fokus auf die Stärkung von Frauen und Mädchen auch in Krisensituationen. Mit 80 Jahren Erfahrung in der humanitären Hilfe verfügt CARE über bewährte Systeme und Expertise, die uns auch in komplexen Krisensituationen handlungsfähig machen. Unsere lokale Verankerung in über 100 Ländern ermöglicht schnelle Reaktionszeiten und ein tiefes Verständnis der jeweiligen Kontexte.
Wie berücksichtigt CARE lokale Kulturen und Bedürfnisse?
CARE arbeitet eng mit lokalen Partnern und Gemeindemitgliedern zusammen, um kulturell angemessene Hilfe zu leisten. Wir führen Bedarfsanalysen durch und beziehen die Betroffenen aktiv in Entscheidungsprozesse ein. Wo immer möglich, kaufen wir Hilfsgüter lokal ein, um die Wirtschaft vor Ort zu stärken. Unsere Teams bestehen größtenteils aus Mitarbeitenden aus den jeweiligen Ländern, die mit den kulturellen Gegebenheiten vertraut sind. Bei der Verteilung von Hilfsgütern berücksichtigen wir kulturelle und religiöse Besonderheiten, etwa bei Nahrungsmitteln oder Kleidung. In allen Projekten achten wir besonders auf den Schutz verletzlicher Gruppen wie Frauen, Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen.
Wie stellt CARE sicher, dass Hilfe tatsächlich bei den Bedürftigsten ankommt?
CARE implementiert verlässliche Monitoring- und Evaluierungssysteme, um die Wirksamkeit unserer Hilfe kontinuierlich zu überprüfen. Vor jeder Verteilung führen wir gründliche Bedarfsanalysen durch und erstellen Kriterienkataloge, die sicherstellen, dass die Hilfsgüter die Bedürftigsten erreichen. Community-basierte Auswahlkomitees helfen dabei, lokales Wissen einzubeziehen und Fairness zu gewährleisten. Durch unabhängige Überprüfungen und Stichprobenkontrollen überwachen wir den Verteilungsprozess. Beschwerde- und Feedbackmechanismen ermöglichen es Betroffenen, Probleme oder Bedenken direkt zu melden. Finanzielle Transparenz wird durch strenge interne Kontrollen und regelmäßige externe Audits sichergestellt. Diese mehrschichtigen Kontrollsysteme minimieren das Risiko von Missbrauch und stellen sicher, dass unsere Hilfe ihre beabsichtigte Wirkung erzielt.
Katastrophenhilfe in Syrien
Der Konflikt in Syrien hat eine humanitäre Krise ausgelöst. Millionen Menschen kämpfen täglich ums Überleben. Die verheerenden Erdbeben im Februar 2023 haben die Lage weiter verschärft.
Frauen im Katastrophenfall
CARE sieht weltweit, dass Frauen und Mädchen besonders stark sein müssen, speziell in Katastrophen, Krisen und Kriegen. Denn meistens sind sie es, die das Überleben ganzer Familien sichern.
Unsere weltweiten Katastropheneinsätze:
Türkei
Wiederaufbau nach den Erdbeben
CARE unterstützt syrische Flüchtlinge und türkische Aufnahmegemeinden umfangreich nach den verheerenden Erdbeben im Februar 2023.
Humanitäre Krisen sind eine kontinuierliche globale Herausforderung, die Millionen von Menschen betreffen. Die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit konzentriert sich aber meist auf wenige, besonders prominente Konflikte. Unser Bericht richtet den Blick auf kaum beachtete humanitäre Notlagen und zeigt damit ein Stück weit die Diskrepanz zwischen Dringlichkeit und medialer Berichterstattung auf.
Jeder Mensch, der in einer humanitären Krise lebt, verdient nicht nur unsere Solidarität, sondern auch konkrete Hilfe. Schauen Sie mit uns dorthin, wo selten hingesehen wird – denn damit sorgen Sie dafür, dass keine Krise ungehört bleibt!
CARE Geschäftsführerin Andrea Barschdorf-Hager spricht mit spannenden Gästen
über die steigende Anzahl an globalen Krisen und unseren Einsatz im Katastrophenfall.