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Wie unterstützt CARE in der Türkei geflüchtete Menschen aus Syrien?
Die Türkei beheimatet Millionen Menschen, die vor dem Krieg im benachbarten Syrien fliehen mussten. Viele von ihnen stehen im Alltag vor immensen Hürden: Oft sprechen sie die Sprache nicht und verfügen über keine gültigen Ausweisdokumente der türkischen Migrationsbehörde, die ihren Schutzstatus bestätigen. Ohne diese Papiere sind sie massiv benachteiligt – grundlegende Dienstleistungen wie ärztliche Behandlungen, legale Arbeit oder der Schulbesuch der Kinder bleiben unerreichbar.
CARE setzt hier mit gezielter Aufklärung und rechtlicher Beratung an. In eigens eingerichteten Anlaufstellen sowie über Telefonhotlines erhalten die Menschen Informationen zu ihren Rechten und Unterstützungsmöglichkeiten. Die Berater:innen von CARE, die häufig selbst aus der syrischen Gemeinschaft stammen, helfen bei der Navigation durch das komplexe Behördensystem. Ziel ist es, den Geflüchteten den Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und Beschäftigung zu erleichtern, damit sie ein selbstbestimmtes Leben in Würde führen können.
Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von CARE Österreich: „Wer fliehen muss, braucht nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch die Chance, sich ein neues Leben aufzubauen. Doch viele syrische Familien in der Türkei wissen nicht, welche Rechte sie haben oder an wen sie sich wenden können.“ Die Arbeit von CARE stellt sicher, dass Familien in ihrer Unsicherheit nicht allein gelassen werden.
Was tut CARE in der Türkei für den Schutz von Frauen und Mädchen?
In Krisensituationen, ob auf der Flucht oder infolge von Naturkatastrophen, sind Frauen und Mädchen einem stark erhöhten Risiko ausgesetzt, Opfer von Gewalt, Ausbeutung und Missbrauch zu werden. Alleinerziehende Mütter und Frauen auf der Flucht leiden besonders unter wirtschaftlicher Not, prekären Wohnverhältnissen und fehlender Privatsphäre in Notunterkünften. Hinzu kommen soziale Isolation und die Gefahr häuslicher Gewalt.
Um Frauen und Mädchen aktiv zu schützen, gründet CARE lokale Frauenclubs . In diesen sicheren Orten können sich Frauen austauschen, Netzwerke knüpfen und praktische Fertigkeiten für den Alltag erlernen. Spezielle Gruppen für junge Mütter und frisch verheiratete Frauen helfen zusätzlich dabei, soziale Isolation zu vermeiden. Zudem verteilt CARE Informationsmaterial zur Gewaltprävention. Sobhi Alshaghel, ein Mitarbeiter von CARE in der Türkei, berichtet aus dem Beratungsalltag : „Wir hören oft, dass die Leute nicht wissen, an wen sie sich wenden können, wenn sie Gewalt erleben.“
Ein weiterer Fokus liegt auf der Sensibilisierung der Eltern. Die speziell geschulten CARE-Berater:innen klären Familien über Kinderschutzrechte auf und arbeiten intensiv daran, den durch extreme Armut verursachten Trend zu Frühverheiratungen von Mädchen zu stoppen und ihnen stattdessen den Weg in die Schule zu ebnen.
Wie hat CARE Hilfe beim Wiederaufbau nach den Erdbeben in der Türkei geleistet?
Die verheerenden Erdbeben im Südosten der Türkei im Februar 2023 haben eine beispiellose Spur der Zerstörung hinterlassen. In stark betroffenen Provinzen wie Hatay verloren unzählige Menschen über Nacht ihr Zuhause, ihre Familienangehörigen und ihre gesamten Lebensgrundlagen. Auch lange nach der Katastrophe leben viele Betroffene weiterhin in Containern oder Notunterkünften. Die humanitären Bedürfnisse sind enorm.
CARE war von der ersten Stunde an im Einsatz und passte die Hilfe ständig an die jeweiligen Bedingungen an. Da die Beben kritische Infrastruktur zerstört haben, konzentrierte sich CARE auf den Bereich Wasser- und Sanitärversorgung (WASH). Durch die Bereitstellung von sauberem Trinkwasser und die Unterstützung beim Abfallmanagement wurde verhindert, dass sich in den Notunterkünften und dicht besiedelten Gebieten gefährliche Krankheiten ausbreiteten.
Zusätzlich setzte CARE Bargeldhilfen ein. In einer Region, die schwer von Inflation und steigenden Preisen geprägt war, konnten betroffene Familien mit dieser direkten finanziellen Unterstützung lebenswichtige Vorräte kaufen, aufgelaufene Schulden begleichen oder Kinder mit Winterkleidung versorgen.
Welche Rolle spielt psychologische Hilfe in den CARE-Projekten vor Ort?
Das Leben von Millionen Menschen in der Türkei ist von extremen Traumata gezeichnet – sei es durch die Flucht vor Bomben in Syrien oder den Verlust von Angehörigen und dem eigenen Zuhause während der Erdbeben. Das beschreibt auch die Überlebende Elcin aus Hatay: „Ich vermisse die Stimmen meiner Kinder, die Stimme meiner Mutter. […] Von außen sehe ich gut aus, ich wirke stark, aber in mir drin habe ich zu kämpfen.“ Um diesen unsichtbaren Wunden zu begegnen, integriert CARE psychosoziale Betreuung in die Hilfsprojekte. Projektmitarbeitende werden darin geschult, emotionale Erste Hilfe zu leisten und sensibel mit Überlebenden zu arbeiten.
Besonders bewährt hat sich dabei ein Peer-to-Peer-Ansatz: Die CARE-Berater:innen stammen häufig selbst aus den betroffenen Gemeinschaften. Sie sprechen dieselbe Sprache, kennen die kulturellen Hintergründe und haben oft ähnliche Schicksalsschläge erlitten. Das schafft eine Vertrauensbasis, die es den Betroffenen überhaupt erst ermöglicht, über ihre Erlebnisse zu sprechen und Hilfsangebote anzunehmen.
Wie fördert CARE das Zusammenleben zwischen Geflüchteten und der lokalen Bevölkerung?
Die anhaltende Präsenz von Millionen Flüchtlingen bei gleichzeitiger wirtschaftlicher Krise im Land stellt den sozialen Zusammenhalt in der Türkei immer wieder auf die Probe. Wenn der Wettbewerb um Arbeitsplätze, Wohnraum und öffentliche Dienstleistungen wächst, kann dies zu Spannungen zwischen Geflüchteten und der lokalen Aufnahmegesellschaft führen.
Um Konflikten präventiv entgegenzuwirken, verfolgt CARE einen inklusiven Ansatz: Die Nothilfe und die Wiederaufbauprojekte richten sich explizit sowohl an syrische Familien als auch an bedürftige türkische Haushalte. Zusätzlich organisiert CARE gezielt gemeinsame kulturelle Aktivitäten, Sportangebote und Jugend-Workshops. Hier können sich Menschen unterschiedlicher Herkunft begegnen, austauschen und Vorurteile abbauen. Dieser Ansatz schafft Verständnis füreinander und bildet die Grundlage für ein friedliches, nachbarschaftliches Zusammenleben in den betroffenen Gemeinden.
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